30.08.20205 – Rund um Gondwana

Manchmal benötigt auch die abenteuerlichste Reise eine Pause. Nach den anstrengenden Tagen in Daraina und den spektakulären Wanderungen durch die Tsingys ist heute ein Tag zum Ausruhen angesagt – in der wunderschön gelegenen Ankarana Lodge im Privatpark Gondwana.

Nach dem Frühstück zieht es uns nach draussen. Ein Spaziergang rund um die Lodge – und überall das gleiche Bild: Steine, Steine und nochmals Steine. Die charakteristischen Kalksteinformationen prägen die gesamte Landschaft. Dazwischen wächst lichter Trockenwald, angepasst an die kargen Bedingungen.

Zwischen den Steinen eine Entdeckung, die ich nicht erwartet hätte: unzählige leere Schneckenhäuser. Die Landschnecke Tropidophora cuvieriana gehört zur Familie der Pomatiidae (Landdeckelschnecken) und ist eine der charakteristischen Schneckenarten Madagaskars. Diese Familie hat einen Deckel (Operculum), mit dem sie ihr Gehäuse verschliessen können – ein wichtiger Schutz gegen Austrocknung während der Trockenzeit. Das macht sie besonders gut angepasst an das wechselhafte Klima zwischen Regen- und Trockenperiode.
Die Schnecken sind nur während der Regenzeit aktiv und erfüllen eine wichtige ökologische Funktion – sie fressen die Mikroalgen von den Kalksteinen. In der Trockenzeit ziehen sie sich zurück. Von denen, die es nicht in den Schutz der Steine schaffen, bleiben die leeren Gehäuse zurück.


Bei unserem Spaziergang sahen wir hauptsächlich Vögel wie Grauköpfchen und Bienenfresser, die die Sonne am Morgen genossen. Und auch ein paar grüne Madagaskartauben sassen weit oben im Baum.
Ansonsten ist es ruhig und Tiersichtungen sind spärlich.

Auf dem Hotelareal steht ein alter Lastwagen der Marke Berna – und er ist tatsächlich noch funktionstüchtig! Der Name lässt mich aufhorchen, also muss ich erst einmal googeln: Berna war ein Schweizer Nutzfahrzeughersteller aus Olten, der von 1906 bis 1982 Lastwagen produzierte. Was macht ein Schweizer Lastwagen aus den 1960er oder 70er Jahren hier in der madagassischen Wildnis? Die Geschichte dahinter würde mich brennend interessieren – ein Relikt aus der Zeit der Schweizer Botaniker, die dieses Gebiet als Schutzgebiet initiierten? Ein stiller Zeitzeuge vergangener Expeditionen.
Mehr zu der Marke Berna im Wikipedia Artikel.


Den restlichen Tag verbringen wir in der Lodge mit anderen schönen Dingen des Reisens: Fotos bearbeiten, am Blog schreiben und zwischendurch eine Runde Karten spielen. Der Pool lockt, ein gutes Buch lesen und in Gesprächen das Gesehene besprechen. Keine Wanderung, kein Programm, kein Stress. Manchmal braucht es einen solchen Tag, um die vielen Eindrücke zu verarbeiten.

Kurz vor dem Abendessen packt uns doch noch die Abenteuerlust und wir gehen auf Chamäleonsuche in der Dämmerung. Und wir hoffen, dass wir die Tiere auch ohne Guide finden. Mit Taschenlampen bewaffnet spazieren wir der Strasse entlang rund um die Lodge. Die Chamäleons reflektieren das Licht leicht, ihre Silhouetten heben sich von den Bäumen und Büschen ab. Wir finden mehrere Exemplare, die friedlich an ihren exponierten Schlafplätzen sitzen.

Tagsüber halten sich die Tiere meist hoch oben in Bäumen und Büschen auf, perfekt getarnt und schwer zu entdecken. Nachts jedoch ändern sie ihre Strategie: Sie krabbeln weit nach aussen an dünne Äste und Zweige. Der Grund ist einfach – es ist eine Schutzmassnahme gegen Räuber, die sonst leichte Beute aus ihnen machen würden. Auf den dünnen Ästen können die schwereren Tiere sie nicht erreichen.
Nachts sind Chamäleons praktisch blind – sie sehen nichts. Bei Gefahr bleibt ihnen nur eine letzte, verzweifelte Strategie: Sie lassen sich einfach auf den Boden fallen und hoffen, dass der Räuber sie im Dunkeln nicht wiederfindet.

Zurück in der Lodge lassen wir beim Abendessen den Tag ausklingen.

Morgen geht es weiter und wir verlassen die Ankarana Lodge. Ein gefülltes Tagesprogramm erwartet uns.


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Tierliste Madagaskar 2022/2024/2025

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