Morgens früh um 07:30 Uhr öffnet der Park und wir treffen kurz vor 08:00 Uhr ein, um unsere Wanderung zu der Hängebrücke über den grauen Tsingy zu starten.
Zuerst etwas Geschichte und Fakten zum Nationalpark.
Das Herzstück des Ankarana-Nationalparks sind die Tsingy – ein madagassisches Wort, das so viel bedeutet wie „wo man nicht barfuss gehen kann“. Und das ist eine gewaltige Untertreibung. Die Tsingy sind messerscharfe Kalksteinformationen, die sich wie gotische Kathedralen in den Himmel recken. Über Millionen von Jahren hat Regenwasser den Kalkstein ausgewaschen und geformt, bis ein surreales Labyrinth aus spitzen Türmen, tiefen Schluchten und engen Spalten entstand.
Unter der Oberfläche verbirgt sich eine ebenso faszinierende Welt: Ankarana beherbergt eines der grössten Höhlensysteme Afrikas mit über 100 Kilometern kartierter Gänge. Elf Flüsse haben sich im Laufe der Jahrtausende durch den Kalkstein gegraben und ein verzweigtes Netzwerk unterirdischer Wasserläufe geschaffen.
Historisch haben die Höhlen auch eine wichtige Rolle gespielt: Die Antakarana, das lokale Volk, das der Region ihren Namen gab, nutzte die Höhlen als Zufluchtsort vor feindlichen Stämmen. Noch heute finden sich in manchen Höhlen alte Gräber – heilige Orte, die mit Respekt behandelt werden müssen.
Doch Ankarana ist mehr als nur spektakuläre Geologie. Auf einer Fläche von 182 Quadratkilometern leben hier über 60 Reptilienarten, 14 Lemurenarten und mehr als 100 Vogelarten – viele davon endemisch, also nirgendwo sonst auf der Welt zu finden.

Der Weg führt zuerst durch ein trockenes Bachbett, das während der Regenzeit überschwemmt wird.
Danach geht es gemütlich durch den Wald des Parks. Und immer sind wir natürlich auf der Suche nach Tieren.
In zwei verschiedenen Baumlöchern haben sich die nachtaktiven Ankarana-Wieselmaki (Lepilemur ankaranensis) eingenistet und frech aus den Löchern herausgeschaut.
Mit seinem graubraunen, samtweichen Fell ist der Ankarana-Wieselmaki perfekt an das Leben in den Trockenwäldern und Tsingy-Schluchten angepasst. Tagsüber verschläft er in Baumhöhlen – wie auf den Fotos zu sehen – gut versteckt und vor Hitze geschützt. Seine grossen, dunklen Augen verraten seine nächtliche Lebensweise: Sie sind perfekt dafür ausgelegt, auch bei schwächstem Mondlicht noch Orientierung zu finden. Mit etwa 500-900 Gramm Körpergewicht und einer Grösse von rund 25-30 Zentimetern (plus Schwanz) ist er ein echtes Leichtgewicht.
Anders als viele nachtaktive Tiere ernährt sich der Ankarana-Wieselmaki rein pflanzlich: Blätter, Knospen, Blüten und gelegentlich Früchte stehen auf seinem Speiseplan. Sein Verdauungssystem ist hoch spezialisiert – ähnlich wie bei Wiederkäuern fermentiert er die schwer verdaulichen Blätter in seinem vergrösserten Dickdarm. Das macht ihn besonders angepasst an die nährstoffarme Kost der Trockenwälder.
Wie so viele endemische Arten Madagaskars ist auch der Ankarana-Wieselmaki durch Lebensraumverlust bedroht. Sein extrem begrenztes Verbreitungsgebiet macht ihn besonders verletzlich. Der Schutz des Ankarana-Nationalparks ist daher überlebenswichtig für diese Art.
Die IUCN stuft ihn als «gefährdet» (Vulnerable) ein – ein deutliches Zeichen dafür, dass Schutzmassnahmen dringend notwendig sind.
Immer wieder sind an den Baumstämmen die Grossen Taggeckos (Phelsuma grandis) zu entdecken. Dies sind zusammen mit den Pheluma madgascariensis die grössten Taggeckos, die es gibt. Die Männchen haben rote Flecken auf dem Rücken, die Weibchen sind mehr oder weniger grün. Früher galten die „Grandis“ als Unterart der Madagascariensis. Seit 2007 gelten sie als eigene Art.
Auch der kleinere Phelsuma abbotti chekei war oft an Baumstämmen zu finden. Dieser Gecko misst etwa 13 cm inklusive Schwanz und ist sehr flink. Die Färbung von P. abbotti chekei variiert von Tier zu Tier. Sie reicht von blau über grün bis grau, mit marmorierten Flanken und Beinen. Das Rückenmuster besteht aus rotbraunen Punkten, manchmal ist auch eine mittlere Wirbelsäulenlinie vorhanden.

Weitere nachtaktive Echsenspezies, die uns im Trockenwald begegneten, sind der Blaesodactylus bovini und ein Uroplatus (unbestimmt).
Wir haben den Wald verlassen und eine ganz andere Flora kam zum Vorschein – stachelige Pflanzen und Bäume wachsen auf den grauen Tsingy-Felsen. Soweit das Auge reicht, grauer Kalkfelsen!
Das Laufen auf diesen Steinen ist richtig anstrengend. Man muss richtig schauen, wohin man tritt, denn niemand möchte auf diesen scharfen Steinen umfallen!
Obwohl ich überhaupt nicht schwindelfrei bin, habe ich allen Mut zusammengefasst und bin über die Hängebrücke gelaufen.
Dann ging es denselben Weg wieder retour.
Den Nachmittag haben wir gemütlich am Pool verbracht und uns erholt, denn bereits um 18:00 Uhr starteten wir die Nachtwanderung am Eingang des Nationalparks. Ausgerüstet mit Taschenlampe und Fotoausrüstung suchten wir in den Bäumen nach Chamäleons und anderen Tieren.
Wie immer noch ein paar Fotos vom Tag, die einfach nicht in den Bericht eingefügt werden konnten.




