Die Tage im Palmarium dienen auch der Erholung und somit dem Faulenzen, Spielen, Diskutieren und Beobachten der Natur und der Tiere ohne grosse Anstrengung. Am Morgen werden wir bereits auf der Veranda von den Lemuren begrüsst. Die Tür muss geschlossen bleiben, vor allem wenn Bananen oder andere Lebensmittel im Zimmer sind. Die Lemuren huschen sonst rasch in den Raum und durchsuchen die Koffer.

Am heutigen Morgen standen bei unserem Bungalow viele Asiaten mit Ihren Fotoapparaten und haben wie wild Fotos geknipst. Ich ging dann schauen und es war eine Blattnasennatter, die von den Guides immer wieder neu zum Fotografieren positioniert wurde. Nachdem die Gruppe weiter gezogen ist, konnten auch wir noch Fotos knipsen. Diese Schlange lebt gut getarnt in den Bäumen und ist eher selten zu sehen.
Die Blattnasennatter, wissenschaftlich Langaha madagascariensis, gehört zu den ungewöhnlichsten Schlangenarten Madagaskars – und wahrscheinlich der Welt. Ihr auffälligstes Merkmal ist der verlängerte „Nasenfortsatz“, der bei Männchen wie ein Blatt, bei Weibchen eher wie ein stumpfer Dorn geformt ist. Diese bizarre Kopfform dient vermutlich der Tarnung – beim reglosen Verharren im Geäst wirkt die Schlange wie ein vertrockneter Zweig oder ein herabhängendes Blatt.
Die Blattnasennatter lebt ausschliesslich auf Madagaskar. Sie bewohnt tropische Wälder und buschige Gebiete und hält sich meist gut getarnt im Gebüsch oder in Bäumen auf. Besonders faszinierend ist ihre perfekte Tarnung. Im Dickicht ist die Langaha nahezu unsichtbar. Die Kombination aus Körperhaltung, Musterung und „Blattnase“ macht sie zu einem Meister der Täuschung.
Die Schlange ist baumbewohnend, kann sich aber auch am Boden aufhalten. Sie ernährt sich hauptsächlich von kleinen Vögeln, Eidechsen und Fröschen, die sie blitzschnell mit einem Biss überrascht. Obwohl sie leicht giftig ist, gilt sie für den Menschen nicht als gefährlich – ihr Gift dient ausschliesslich der Beuteerlangung.
Eine weitere Schlangenart, die Madagaskar-Hakennasennatter (Leioheterodon madagascariensis), ist häufig anzutreffen und ist auch im Palmarium auf Futtersuche. Ihren Namen verdankt die Hakennasennatter einem leicht aufgewölbten Nasenschild, das ihr ein „hakennasenartiges“ Aussehen verleiht. Dieses anatomische Merkmal hilft ihr vermutlich beim Graben im lockeren Waldboden, wenn sie auf der Suche nach Beutetieren oder Eiablageplätzen ist.
Sie ist eine der grössten und auffälligsten Schlangen der Insel. Sie kann bis zu 2 Meter lang werden und gehört zur Familie der Nattern. Trotz ihrer Grösse und robusten Erscheinung ist sie nicht gefährlich für den Menschen – im Gegenteil: Sie gilt als nützlich und spielt eine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht.
Zur Ernährung gehören Kleinsäuger, Vögel, Echsen, Frösche – aber auch Reptilieneier, die sie mit kräftigem Maul aufbricht. Bei Bedrohung kann sie sich aufblähen, zischen und Scheinangriffe ausführen – doch echte Bisse sind selten und für den Menschen nicht gefährlich, da die Schlange keine Giftzähne besitzt.

Was raschelt da im Laub? Eine Madagaskar-Ringel-Schildechse (Zonosaurus madagascariensis) ist auf Futtersuche und hat einen Skolopender gefangen. Dieser Hundertfüsser kann kräftig beissen und hat sich auch über eine Stunde gewehrt, ist immer wieder geflohen, aber am Schluss hat die Echse gewonnen und den Gliederfüssler gefressen.
Wenn die Sonne langsam hinter dem See versinkt, beginnt im Palmarium-Reservat ein ganz anderes Leben. Während sich die Lemuren des Tages zur Ruhe begeben, erwacht eine geheimnisvolle Welt – und mit ihr das Abenteuer der Nachtwanderung. An zwei Abenden sind wir uns mit unserem Guide, ausgerüstet mit der Stirnlampe, Taschenlampe und Kamera, auf die Suche nach Tieren aufgebrochen.
Ein Flackern der Lichtkegel leuchten die Augen der Lemuren auf. Mausmakis und Dickschwanzlemure turnen meist hoch oben in den Baumwipfeln. Oder sitzen in Baumvergabelungen und schauen auf uns herunter.
Nachtaktive Frösche klettern auf den Farmen und Nachtfalter oder Motten zeigen ihre Pracht.
Und auch das kleine Brookesia nofy, das erst in diesem Jahr entdeckt und beschrieben wurde (Glaw und Vences), konnten wir fotografieren.
Mit nur 33 mm Grösse ist dies eine der kleinsten Chamäleonarten auf Madagaskar.
Der Name setzt sich zusammen aus der Gattung Brookesia (Gattung) und dem Wort „Nofy“, was in der madagassischen Sprache „Traum“ bedeutet – eine Anspielung auf den Fundort Ankanin’ny Nofy wo wir uns gerade befinden.
Nachts klettert dieses bodenlebende Chamäleon aus dem Laub heraus auf dünne Äste, um dort zu schlafen. Und nur durch das geübte Auge des Guides hatten wir die Möglichkeit, dieses zu fotografieren. Erst im Vergleich mit dem Objektivdeckel kann man sich die „Grösse“ dieses Wunders veranschaulichen.






