26.11.2024 – Fleischfressende Pflanzen, Dorfbesuch und Nachtwanderung zum Aye-Aye

Den Morgen verbrachten wir mit einer Wanderung entlang der gut gepflegten Wege im Reservat durch den Wald, am Strand entlang bis zum Gebiet mit den fleischfressenden Pflanzen.
Dieser Sumpf entsteht durch einen kleinen Bachlauf, der vom Krokodilsee in den Ampitabe-See. Der Boden ist sandig und lehmhaltig und bietet somit für Pflanzen zu wenig Nährboden. Deshalb fangen die Kannenpflanzen Insekten, um an Nährstoffe zu gelangen.
In den kleinen Wassertümpeln schwimmen Fische, die sich auch von Insekten ernähren.

Auf dem Hinweg, wie auf dem Rückweg, sind wir verschiedenen Lemuren begegnet. Morenmakis, Rotbauchmakis, Kronenmakis und schwarz-weisse Varis sind immer wieder anzutreffen. Da die Tiere den Menschen gewohnt sind, kommen die Tiere auch mit den Jungen sehr nahe und lassen sich problemlos fotografieren.
Das Kronenmaki-Weibchen mit den Zwillingen konnten wir lange beobachten. Ein Jungtier fast immer am Schlafen und das andere hyperaktiv – auch hier haben Geschwister verschiedene Charaktere.

Kronenmakis

Nach dem Mittagessen und einer kleinen Siesta sind wir mit dem Boot quer über den See gefahren, um das Fischerdorf Andranokoditra zu besuchen. Das Dorf liegt auf der anderen Seite des Kanals und nur die Bahnlinie und der Strand vom Meer getrennt. Erreichbar ist das Dorf nur über den Schiffsweg oder mit der Eisenbahn.

Die Dorfgemeinschaft lebt hauptsächlich vom Fischfang, insbesondere in der Lagune, aber auch im offenen Meer. Traditionelle Einbaum-Kanus (Pirogen) sind am Strand vom Fischfang am Trocknen. Zusätzlich wird etwas Landwirtschaft betrieben – meist Maniok, Süsskartoffeln oder tropische Früchte. Viele der Bewohner gehören der ethnischen Gruppe der Betsimisaraka an, deren Kultur stark von animistischen Bräuchen, Ahnenverehrung und einer engen Verbindung zur Natur geprägt ist.

Da dies ein oft angebotener Halbtagesausflug vom Palmarium oder anderen Hotels am See ist, werden wir von den Frauen mit Unmengen von Schmuck und Kunsthandwerk, die zum Kauf angeboten werden, empfangen. Ein Guide aus dem Dorf führt uns anschliessend durch die Gassen zwischen den Häusern hindurch. Die Kinder in der Schule hatten viel Freude an unserem Besuch und den kleinen Fotos, die wir der Lehrerin überlassen haben.

Wir überquerten die Eisenbahnlinie und tranken am Strand Kokosnussmilch. Dies war auf der Reise der einzige Kontakt mit dem Meer. Baden war jedoch aufgrund der Wellen und der Strömungen nicht möglich.

Anschliessend fuhren wir zum Palmarium zurück.


Noch vor der Abenddämmerung sind wir zur nahegelegenen Aye-Aye-Insel gefahren. Auf der kleinen Insel lebt eines der seltensten und rätselhaftesten Tiere Madagaskars: der Aye-Aye (Daubentonia madagascariensis), ein nachtaktiver Lemur mit grossen Augen, Fledermausohren und einem langen, dünnen Mittelfinger, den er zum Aufspüren von Insekten in morschem Holz oder zum Aushöhlen von Kokosnüssen nutzt.

Der Aye-Aye galt in der madagassischen Kultur lange als Unglücksbringer und wurde deshalb oft verfolgt. Im Palmarium-Reservat ist er jedoch geschützt und kann in freier Wildbahn beobachtet werden – diese Gelegenheit wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.


Beim Sonnenuntergang hat unser Schiff am Steg angedockt und wir sind dann rund 10 Minuten in das Waldgebiet gelaufen, in dem die Aye-Ayes leben. Die Tiere werden mit Kokosnüssen angelockt, dies ist eine Leckerei, die die Tiere sonst nicht finden. Deshalb kann man fast sicher sein, dass ein Tier erscheint. Trotzdem, dass sie Menschen gewohnt sind, muss man leise sein, sonst verschwinden die scheuen Waldgeister wieder. Auch das Fotografieren mit Blitzlicht ist nicht gestattet.

Rund 20 Minuten konnten wir das Fingertier beim Fressen beobachten, bevor es wieder in der Dunkelheit verschwand.

In völliger Dunkelheit fahren wir mit dem Boot über die stille Lagune zurück zum Palmarium – eine geheimnisvolle und fast mystische Atmosphäre.

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