Beim Frühstück sass auf dem Nachbartisch ein Taggecko und suchte nach Essensresten. Ich habe dann etwas Honig auf meinen Finger gestrichen, um zu schauen, ob er von der Hand frisst. Eigentlich dachte ich, dass er wegrennt. Aber nein, er kam wirklich, um den Honig vom Finger zu lecken.

Nach dem Frühstück verlassen wir die Nature Lodge und es geht weiter, und zwar zu den roten Tsingy.
Diese einzigartigen Steinformationen befinden sich etwa 60 Kilometer südlich von Antsiranana (Diego Suarez) im Norden Madagaskars, nahe dem Dorf Sadjoavato. Das Schutzgebiet erstreckt sich über etwa 180 Hektar im Irodo-Tal und auf dem Sahafary-Plateau.
Der erste Teil der Strecke war auf der neu gebauten Strasse. Sobald wir jedoch auf die Naturstrasse abgebogen sind, kam wieder das abenteuerliche Reisen, das wir von den letzten Madagaskarreisen kennen, zum Tragen – Sandpisten und Löcher in den Strassen…
Zuerst haben wir in der Nähe des Parks unser Zimmer im Red Tsingy Camp bezogen. Bereits bei der Ankunft hat uns eine Gruppe Kronenmakis begrüsst. Anschliessend haben wir im Camp etwas zu Mittag gegessen.
Am Nachmittag sind wir dann weiter bis zum Park gefahren und sind da den Rundgang durch die Felslandschaft gewandert.
Der Name „Tsingy“ stammt aus der madagassischen Sprache und bedeutet „wo man nicht barfuss gehen kann“ – eine treffende Beschreibung für diese scharfkantigen Formationen.
Die roten Tsingy sind im Vergleich zu den Tsingy de Bemaraha im Westen aus Sandstein und nicht aus Kalkstein und daher viel empfindlicher. Die Felsen sind auch immer wieder durch Barrieren abgesperrt, damit nicht Touristen auf die Felsen klettern.

Über Jahrmillionen haben der Irodo-Fluss, Regenwasser und Wind das Lateritgestein kontinuierlich abgetragen und in bizarre, kegelförmige Strukturen verwandelt. Freigelegt wurde diese Sehenswürdigeit durch Erdrutsche erst Mitte des 20. Jahrhunderts.
Die Tsingy rouge befinden sich in einer Schlucht, in der durch die Erosion immer mehr Tsingy zum Vorschein kommen, aber auch immer wieder Tsingy durch Wind und Wassererosion verschwinden. So verändert sich diese Formation immer wieder und macht sie interessant.
Die intensive rote Farbe verdankt das Gestein seinem hohen Eisenoxidgehalt, der durch Oxidationsprozesse entsteht. Je nach Tageszeit und Lichteinfall variiert die Färbung von tiefem Rostrot über Orangetöne bis zu zartem Rosa.
Die Spitzen der Tsingy rouge sind bis zu 10 Meter hoch und leuchten in den verschiedensten Rottönen. Es ist faszinierend zu sehen, wie die verschiedenen Sandschichten gefärbt sind.
Trotz der scheinbar lebensfeindlichen Umgebung der Tsingy Rouge haben wir verschiedene Tiere entdeckt. Das Teppichchamäleon (Furcifer lateralis), ein Riesen-Chamäleon (Furcifer oustaleti) und verschiedene Taggeckos (Phelusma madagascariensis).
In den Felsformationen brüten Falken, aber nicht in dieser Jahreszeit. Jedoch sind die Spuren sichtbar.
Landschaftlich ist es ein schöner Ausflug, der jedoch auch bei einer Durchfahrt eingebaut werden könnte. So würde ein Tag frei, für einen ganztägigen Ausflug in einen Park.
Die Lodge kann ich jedoch empfehlen. Freundliches Personal, gutes Essen, ein geräumiges Zimmer mit Warmwasserdusche und ein Pool, der durch eine Naturfilterung betrieben wird und somit ohne Chemie auskommt.




