Heute geht es zum Nationalpark Montagne d’Ambre, welcher seit 1958 besteht. Seine Fläche beträgt 18’200 Hektar und er befindet sich auf einer Höhe von 1000 bis 1445 über dem Meer.
Der Berg des Lebens gilt seit als Treffpunkt zwischen der Welt der Lebenden und der Geister. Kurz gesagt: Ein Besuch hier bedeutet, die Zeichen der tiefen spirituellen Verbundenheit der lokalen Bevölkerung mit den unsterblichen Seelen der Vorfahren zu entdecken.
Der Nationalpark liegt auf einem alten vulkanischen Massiv und ist ein echter Kontrast zum sonst eher trockenen Norden der Insel. Wir sind lange durch den Park und den Wald spaziert – mit über 18’000 Schritten gab es doch ein paar Kilometer den Berg hoch und wieder runter.

Bereits bei der Ankunft beim Parkplatz suchte uns Jacques das Brookesia tuberculata, das auch zu der Familie der winzigen Stummelschwanz-Chamäleons gehört.
Der Brookesia tuberculata, auch bekannt als Stachel-Bodenchamäleon, ist eines jener unscheinbaren, aber faszinierenden Bewohner Madagaskars, dass man leicht übersehen kann – und genau darin liegt sein Zauber. Dieses kleine Chamäleon lebt ausschliesslich im Norden der Insel, vorwiegend in den feuchten Wäldern rund um Montagne d’Ambre.
Mit einer Körperlänge von nur etwa 5 bis 6 Zentimetern zählt Brookesia tuberculata zu den Zwergchamäleons. Sein Name verrät bereits sein auffälligstes Merkmal: die kleinen, stachelartigen Höcker auf Rücken und Kopf, die ihm ein fast urtümliches Aussehen verleihen. Seine Färbung ist meist erdbraun oder oliv – perfekt angepasst an den Laub- und Waldboden, auf dem er sich langsam und vorsichtig fortbewegt.
Tagsüber sucht das Tier zwischen Blättern und Moos nach winzigen Insekten. In der Dämmerung oder nachts klettert es auf kleine Zweige, wenige Zentimeter über dem Boden, um dort zu schlafen – sicher vor Feinden und Feuchtigkeit.
Ein Chamäleon, das wir bisher nicht gesehen hatten, ist das Calumma linotum, auf Deutsch besser bekannt als das Blaunasen-Chamäleon.

Das Calumma linotum, besser bekannt als das Blaunasen-Chamäleon, ist eines der farbenprächtigsten kleinen Wunder im Norden Madagaskars. Schon sein Name klingt poetisch – und wenn man dieses Tier einmal in der Sonne sieht, versteht man, warum.
Das Männchen trägt auf seiner Nasenspitze einen leuchtend blauen Fortsatz, der im Sonnenlicht fast wie glühend wirkt. Dieser ist in der Paarungszeit stärker gefärbt und unterscheidet sich von Teier zu Tier. Der Körper ist türkis- bis smaragdgrün mit feinen gelben und manchmal rötlichen Akzenten. Das Weibchen dagegen ist schlichter gefärbt – meist in sanften Braun- oder Grüntönen – und dadurch hervorragend getarnt im dichten Blattwerk des Waldes.
Seine Heimat liegt in den feuchten Bergwäldern rund um Montagne d’Ambre und Ankarana. Hier lebt das Chamäleon bevorzugt in den unteren und mittleren Vegetationsschichten, wo es mit ruhiger Präzision nach Insekten jagt. Wie alle Chamäleons bewegt es sich langsam und bedacht, die Augen unabhängig voneinander – immer wachsam, immer bereit, mit seiner blitzschnellen Zunge zuzuschlagen.
Mit einer Grösse von 10 bis 13 Zentimetern gehört es noch zu den kleinen Chamäleonarten.
Auch bei den Vögel kam eine neue Art zur Liste von Tierarten, die wir auf Madagaskar gesehen haben, hinzu. Der Ambre-Rötel (Monticola erythronotus) ist eine Unterart des Madagaskarrötels und kommt nur in diesem Nationalpark vor.
Das Männchen des Ambrerötels ist eine kleine Schönheit: Der Kopf schimmert in einem tiefen Blaugrau, Rücken und Flanken leuchten in warmem Kastanienrot, und die Unterseite erstrahlt in kräftigem Orange. Der Schwanz zeigt ein lebhaftes Rostrot. Hingegen sind die Weibchen in bescheiden gefärbt. Ihr braunes Gefieder tarnt sie perfekt in den moosbedeckten Wäldern. Nur ein Hauch von Orange an der Unterseite verrät ihre Verwandtschaft mit dem farbenprächtigen Männchen.
Wie der kurze, spitzige Schnabel des kleinen Vogels verrät, ernährt er sich vorwiegend von Insekten.
Leider ist der Ambrerötel stark gefährdet. Laut der Weltnaturschutzunion (IUCN) leben schätzungsweise weniger als 5.000 Individuen. Der Hauptgrund für seinen Rückgang ist der Verlust seines Lebensraums.

Auf unserer Wanderung kamen wir bei der Cascade Antomboka vorbei. Dieser Wasserfall ist für die einheimische Bevölkerung ein Heiligtum. Sie bringen Opfergaben dar; Wasser, Felsen und Bäume werden als Sitze der Ahnenseelen verstanden. Mit den Opfergaben wird um Gesundheit, Fruchtbarkeit und Reinigung der Seele gebeten.
Aus dem heiligen Status ergeben sich Fadys und somit Verhaltensregeln wie nicht baden, respektvolles Auftreten und es darf kein Lärm gemacht werden und kein Müll darf diesen Ort verschmutzen. Diese Tabus werden auch auf Schildern vor dem Wasserfall erwähnt.
Es gibt dazu auch eine überlieferte Legende. Diese erzählt, dass Reiter in den Sümpfen um den See ertranken – daher der Name und das Verbot, dort zu schwimmen.

Auch einen Blick auf den Lac Vert konnten wir noch werfen. Der etwa auf 700 Metern Höhe liegende kreisrunde See liegt in einer alten Vulkankratermulde. Seine Farbe stammt von Algen und vulkanischen Mineralien, die sich im klaren Wasser ablagern. Je nach Licht und Tageszeit wechselt der See von Türkis über Smaragd bis zu fast schwarzem Grün.
Wie viele heilige Naturorte Madagaskars ist auch der Lac Vert ein Ort voller Ehrfurcht und Tabus.
Einheimische glauben, dass Ahnengeister im See wohnen. Deshalb ist es verboten, im See zu schwimmen oder laut zu sprechen, um die Geister nicht zu stören.
Eine alte Legende erzählt von einem jungen Paar aus verfeindeten Clans, das in den See floh, um gemeinsam zu sterben. Seitdem soll der Lac Vert seine Farbe von ihrem vereinten Blut und den Tränen der Götter haben.

Unser Mittagessen gab es erst um 15:00 Uhr. Wir benötigen einfach immer länger als normale Touristen, da wir bei den Tieren nicht nur 1–2 Fotos schiessen.
Da besuchte uns noch Ringelschwanzmungo (Galidia elegans). Auch bei diesem, auf Madagaskar endemischen Raubtier sind eine Menge Fotos entstanden.
Er hat sich immer wieder in der Abwasserleitung des Brunnens versteckt, wenn die Menschen zu nahe kamen. Die Betonrohrleitung war an verschiedenen Orten nach oben offen oder defekt, und man wusste nicht, aus welcher Öffnung dieser kleine Kerl sich blicken liess.
Der Ringelschwanzmungo kommt in vielen Regionen der Insel vor – von den immergrünen Regenwäldern im Osten bis zu trockenwarmen Wäldern im Westen.
Am häufigsten wird er in den Schutzgebieten Andasibe-Mantadia, Ranomafana und Montagne d’Ambre beobachtet.
Mit einer Körperlänge von 30-40 cm und einem genauso langen Schwanz, wiegt er knapp ein Kilo. Sein Fell ist rotbraun bis kastanienfarbig, der Kopf oft etwas dunkler. Besonders markant sind die langen Schnurrhaare und die lebhaften, braunen Augen. Sein Name Galidia elegans bedeutet wörtlich: „die elegante kleine Katze“ – und genau so wirkt er auch.
Auf dem Rückweg haben wir noch eine Gruppe Sanford-Maki (Eulemur sanfordi) in den Bäumen oberhalb der Strasse beobachtet. Die Lichtverhältnisse waren nicht mehr optimal, aber es sind trotzdem ein paaar Bilder entstanden, die man zeigen darf.
Der Sanford-Maki ist endemisch im Norden Madagaskars und lebt in zwei sehr unterschiedlichen Lebensräumen: Hier in den feuchten Bergwäldern des Montagne d’Ambre Nationalparks und den trockeneren Laubwäldern des Ankarana-Reservats. Diese Anpassungsfähigkeit an verschiedene Ökosysteme ist typisch für die vielen Lemurenarten, die sich auf Madagaskar entwickelt haben.
Doch sein Verbreitungsgebiet ist klein – und schrumpft. Heute zählt der Sanford-Maki zu den am stärksten gefährdeten Lemurenarten.
Der Sanford-Maki unterscheidet sich vom bekannteren braunen Maki (Eulemur fulvus) vorwiegend durch sein dichteres Fell. Früher galt er als Unterart des braunen Lemurs, wurde dann jedoch als eigenständige Art anerkannt.
Beim Männchen zeigt sich das Fell am Rücken in einem satten Braunton, während die Bauchseite deutlich heller gefärbt ist. Die Nase und die langgestreckte Schnauze erscheinen tiefschwarz, die Kopfoberseite hingegen graubraun. Auffällige, hellgraue Ohrbüschel und ein feiner Bart aus hellen Haaren rahmen das Gesicht und verleihen ihm das Aussehen einer kleinen Mähne.
Das Weibchen ist rötlich-braun. Der Kopf und das Gesicht haben die gleiche graue Farbe.
Im Gegensatz zu den Männchen fehlen den Weibchen sowohl die mähnenartigen Ohrbüschel als auch die Barthaare.
Verhaltensbiologisch ist der Sanford-Maki scheuer und ruhiger als der braune Lemur und lebt meist in kleineren Gruppen in Wäldern und nicht in der Nähe der Menschen.
Wir haben in der Nature Lodge in der Nähe des Nationalparks übernachtet. Die Lodge liegt auf einem Hügel und von jedem Bungalow kann man von der Terrasse aus in das weite Tal schauen.
Das Nachtessen war lecker, aber teurer als in den anderen Unterkünften.
Wie immer, haben wir natürlich noch viel mehr gesehen. Deshalb hier noch weitere Bilder zum heutigen Tag:
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