24.11.2024 – Mitsinjo und die Analamazaotra Forest Station

Noch bevor wir mit dem heutigen Programm starten, fotografieren wir am Weg eine Madagaskar-Hundskopfboa (Sanzinia madagascariensis). Die etwa 150 cm lange Schlange ist kurz vor der Häutung, dies ist durch die trüben Augen erkennbar. Da es am Morgen noch recht kühl ist, hat sich das Reptil noch nicht aufgewärmt und liegt recht gemütlich im Gras und Gebüsch. Somit ist das Fotografieren einfach, wenn man sich wie das Tier auf den Boden legt.

Anschliessend werden wir im Mitsinjo Reservat erwartet. Dies ist ein Privatreservat in Andasibe, das von der lokalen Ortsgemeinde verwaltet wird. Wegen der starken Abholzung sind einige Dorfbewohner im Jahr 1999 auf die Idee gekommen, die heimische Natur wertzuschätzen und den Verein zu gründen. Seitdem forsten die Vereinsmitglieder den Regenwald wieder auf und bilden parallel die Dorfbewohner aus, um diese natürlichen Ressourcen zu schützen.
Jährlich werden etwa 40.000 Setzlinge einheimischer Baumarten aufgezogen und dann für die Wiederaufforstung weiter verkauft. Zudem wurde 2011 das erste Amphibien-Zuchtzentrum Madagaskars eröffnet, das sich dem Schutz bedrohter Arten wie dem goldenen Mantella-Frosch widmet.

Im Anschluss gehen wir weiter in den Orchideenpark. Hier haben wir die Möglichkeit, ein paar der unzähligen Orchideenarten Madagaskars zu bewundern. Leider sind fast alle Orchideen in der Ruhephase und nicht in Blüte.


Tatsächlich ist Madagaskar auch ein Paradies für Orchideen. Aktuell sind über 1’000 verschiedene Arten von der Insel beschrieben, die zu über 90% endemisch sind, also nur auf Madagaskar vorkommen. Der Name Orchidee hat übrigens einen wenig rühmlichen Ursprung. Er stammt vom griechischen Wort όρχις orchis für Hoden. Der Philosoph Theophrastus von Eresos hatte die zu den Orchideen gehörenden Knabenkräuter so benannt, weil ihn die beiden runden Wurzelknollen an menschliche Hoden erinnerten.

Orchideen sind vorwiegend bekannt für ihre wunderschönen Blüten: Man nennt sie deshalb auch die Königinnen der Blumen. Die Blüten bestehen aus Kronblättern (Petalen), Kelchblättern (Sepalen) und dem Labellum, der Lippe. Die Lippe funktioniert als Landeplattform für Bestäuber. Ausserdem verfügen Orchideen statt einzelner Pollen über sogenannte Pollinien. Das sind zwei klebrige Pollenpakete. Sie werden Insekten beim Besuch der Blüte aufgeklebt. Die Insekten bestäuben damit dann andere Orchideen. Aber nicht nur Insekten sorgen für die erfolgreiche Bestäubung. Je nach Art können auch Ameisen, Käfer, Fliegen, Bienen, Schmetterlinge, Vögel oder sogar Frösche einzelnen Orchideen zur Vermehrung verhelfen. Bei sehr vielen madagassischen Orchideen ist noch gar nicht erforscht, wer sie bestäubt oder wie sie sich vermehren. Einige Arten können sich über Knollen oder Kindel fortpflanzen.

Nur zwei Gattungen der madagassischen Orchideen wachsen wie Rankpflanzen: Vanille und Galeola. Sieben verschiedene Vanillepflanzen beherbergt die Insel, darunter auch die Gewürzvanille (Vanilla planifolia). Letztere wächst auf Madagaskar ganz besonders gut. Im Nordosten der Insel befinden sich die meisten Vanilleplantagen. Die Stadt Sambava gilt als „Hauptstadt der Vanille“. Vanille gilt auf Madagaskar übrigens als Aphrodisiakum.

Auf dem Rundgang durch den Park sind wir natürlich auch verschiedenen Tieren begegnet. Lange Zeit haben wir eine Gruppe der Indris beobachtet. Das Jungtier war ein richtiger Wirbelwind, keine Minute konnte er still bleiben. Und neugierig war er auch. Er begab sich zwischen unserer Gruppe auf den Boden und es hat nicht viel gefehlt, dass er ein Bein hochgeklettert wäre.
Auch wenn wir die Indris schon oft gesehen und gehört haben, ist es immer wieder ein Erlebnis!

Ein scheuer Vogel ist uns in diesem Park begegnet. Der Blau-Seidenkuckuck ist ein faszinierender Vogel, der ausschliesslich auf Madagaskar vorkommt. Mit seinem seidigen, blau schimmernden Gefieder und den leuchtend blauen Hautpartien um die Augen gehört er zu den auffälligsten Arten der Gattung Coua – einer Untergruppe der Kuckucke, die nur auf der Insel zu finden ist. Im Gegensatz zu den Kuckucken Europas legt der Blau-Seidenkuckuck seine Eier nicht in fremde Nester, sondern zieht seine Jungen selbst auf.


Was wäre eine Wanderung ohne die Sichtung von Reptilien? In diesem Reservat sind wir verschiedenen Tieren der Calumma parsonii begegnet. Und auch der Blattschwanzgecko hat an einem Baumstamm mit uns Verstecken gespielt ;-), aber Mike hat den Uroplatus gefunden.
Und die hübschen Taggeckos begleiten uns auch täglich auf den Ausflügen.


Nach dem Mittagessen sind wir noch einen Rundgang im nahegelegenen Sumpfgebiet gelaufen. Gleich an drei Stellen haben wir das grüne Marmorkrötchen entdeckt. Mit etwa drei Zentimetern ist es ein kleiner, aber spektakulärer Frosch. Mit seinem leuchtend grünen, braun gemusterten Rücken erinnert er an Marmor – daher auch sein wissenschaftlicher Name Scaphiophryne marmorata.
Wie viele Amphibien Madagaskars ist auch Scaphiophryne marmorata endemisch – kommt also nur hier vor. Der Erhalt seines Lebensraums ist entscheidend, denn sein Bestand ist durch Lebensraumverlust und illegalen Tierhandel gefährdet. Schutzgebiete wie das Mitsinjo-Reservat und Ranomafana-Nationalpark tragen zur Arterhaltung bei.

Heute haben wir auch viele Wirbellose, wie Käfer, Spinnen, Libellen, Heimchen und Heuschrecken fotografiert. Diese teilweise nur wenige Millimeter kleine Krabbler sind genauso faszinierend wie die grossen Lemuren. Mein Favorit aus den Fotos dieser Insekten ist dieser kleine Käfer:


Aber auch folgende Tiere haben es in die Auswahl der Galerie für das grosse Krabbeln geschafft:

Nach dieser umfangreichen Wanderung haben wir den Tag in der Hotelanlage ausklingen lassen.
Ein Bad im Pool hat unsere Muskeln wieder gelockert.


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Zum Anfang unserer Reise

Tierliste Madagaskar 2022/2024

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