Nach dem Frühstück geht es los ins rund 13 km entfernte Vohimana Reservat. Die Anreise ist bereits ein Abenteuer: Nach der kurvenreichen Hauptstrasse durch den dichten Wald bogen wir in einem Dorf links auf eine Naturstrasse ab. Diese endet bei ein paar Hütten, wo wir unsere Rosa parken konnten.
Zuerst zeigte uns ein ortskundiger Bauer ein Parson Chamäleon (Calumma parsonii). Mit 70 cm Gesamtlänge gehört es zu den grössten Chamäleons. Von Calumma parsonii sind unterschiedliche Farbvarianten bekannt. Es ist jedoch nicht geklärt, ob es Morphe oder neue Unterarten sind. Derzeit geht man davon aus, dass es sich um Morphe handelt. Die Farbvariante in dieser Gegend wird auch „Yellow giant“ genannt.
Der Weg zum Reservat führt uns zuerst über einen Bach. Dort wurde gerade Netze gelegt, um Fische zu fangen.


Der schmale Pfad führt uns weiter den Hügel hinauf. Nach etwa einem Kilometer erreichen wir die Bahnlinie und folgen den Gleisen bis zum Eingang des Reservats. Angst, überfahren zu werden, muss man da nicht haben. Die Züge fahren nur zweimal in der Woche und die Lok wäre so laut, dass man genug Zeit hat, die Geleise zu verlassen.

Das Reservat Vohimana wurde erst 2005 gegründet. Der Regenwald war zu dieser Zeit schon fast vollständig abgeholzt. Das Ziel ist, die Gegend mithilfe des Ökotourismus zu schützen, den Boden zu bewirtschaften und vor allem weitere Brandrodungen zu verhindern. Mithilfe der Organisation wurde mit den Bauern in der Umgebung des Reservats ein Vertrag geschlossen, der ihnen Arbeit und somit eine Einnahmequelle bot. Unterdessen arbeiten 40 Leute aus der Umgebung für das Reservat.

In diesem Reservat findet man mit Glück zwei kleine Chamäleons der Gattung Callumma.
Einmal das Calumma nasutum, die Art gab den Nasenchamäleons den deutschen Namen.
Mit 7–8 cm Länge ist es nicht einfach zu finden, aber die lokalen Guides haben gute Augen für die Tierwelt.



Beim zweiten dieser kleinen Chamäleons ist die Nase beim Männchen viel länger und spitziger, weshalb er oft auch als Pinocchio-Chamäleon bezeichnet wird. Aber einen richtigen deutschen Namen hat das Calumma gallus nicht. Die Farbe der Nase ist bei jedem Tier anders. Beim Weibchen ist der Nasenfortsatz rot, kürzer und eher abgerundet. Mit einer Grösse von rund 11 cm gehört auch diese Calumma-Art zu den kleinen Chamäleons.
Auf dem Weg entlang des Flusses haben wir gleich an zwei Orten je eine Perinet-Nacht-Schlange (Ithycyphus perineti) beobachtet.
Hier einmal ein Dankeschön an Dimby und Kathrin Glaw, die mir immer wieder mit den Namen der Reptilien weiterhelfen, wenn ich im WWW nicht fündig werde.
Auch mit dem Namen habe ich sozusagen keine Informationen über die Schlange gefunden. Somit ist es wohl eher ein seltener Fund. Als Informationen habe ich gefunden, dass die Schlange im Wald lebt, giftig ist und der Biss sehr schmerzt, aber nicht tödlich für den Menschen ist.
Ich schätze die Länge der Schlange auf 1,5 bis 2 Meter und in der Färbung war der Kopf golden und die Farbe wurde Richtung Schwanz zuerst braun bis dann ganz schwarz an der Spitze.
Die zweite Schlange war auf der Jagd und hat sich an ein junges Parson’s Chamäleon (Calumma parsonii) herangeschlichen. Das Jungtier hat den Feind jedoch bemerkt und ist auf den Baum hochgeklettert. Gut für das Chamäleon – schlecht für uns Fotografen.
Auch die Welt der Wirbellosen im Vohimana Reservat ist sehr vielfältig. Wir haben Giraffenhalskäfer, wunderschöne Libellen, Stab- und Heuschrecken, Käfer und Spinnen fotografiert.
Und wie immer, wenn etwas entdeckt wurde, standen alle mit den Kameras und Handys bereit, um einen Schnappschuss aufzunehmen.

Auf unserem Weg mussten wir einen Tunnel durchqueren, darin haben sich Fledermäuse Ihr Schlafrevier eingerichtet. Überall an der Decke hingen diese kleinen Säuger und haben uns im Licht der Taschenlampe beobachtet. Die östliche Madagaskar-Freischwanzfledermaus (Paremballonura atrata Peters) wurde 1874 von Wilhelm Peters beschrieben. Sie kommt ausschliesslich auf Madagaskar vor und bewohnt dort feuchte Regenwälder von Meereshöhe bis in Höhenlagen von etwa 900 Metern. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten. Derzeit wird sie von der IUCN als nicht gefährdet eingestuft.


Beim Abstecher zum Bach konnte ich es nicht lassen, habe den Schnorchel und die Tauchmaske montiert und mich dann beim Wasserfall in das Wasserbecken gewagt. Die Temperatur des Wassers ist mit 22 °C erfrischend. Fische hatte es leider keine, aber massenhaft Qualquappen und nicht fertig entwickelte Frösche. Die Tiere verlassen das Wasser erst, wenn die Metamorphose von der Quappe zum Frosch abgeschlossen ist. Die Frösche leuchteten im Sonnenlicht, und ich bin mir nicht sicher, ob diese nachts fluoreszieren. Der Pandanus-Madagaskarfrosch (Guibemantis pulcher) ist ein kleiner, grüner Baumfrosch. Die Männchen werden ungefähr 2.5 Zentimeter gross, die Weibchen sind etwas kleiner.
Hier sind noch weitere Frösche, die wir heute gesehen haben. Alle Arten sind noch unbestimmt.
Der Weg führte uns anschliessend über die Brücke und dann wieder den Geleisen entlang zurück zum Parkplatz. Danach fuhren wir ins Hotel zurück und haben den Nachmittag am Pool verbracht.
Bereits um 17:00 Uhr sind wir zur Nachtwanderung aufgebrochen und haben fast drei Stunden mit dem Suchen nach nachtaktiven Tieren verbracht. Und wir haben einiges gesehen! Das Erdchamäleon Brookesia, Frösche, Dickschwanzlemuren, Insekten, Spinnen und ein Baumskorpion. Wie alle Skorpione leuchtet das Tier, wenn man es mit einer Schwarzlichtlampe anstrahlt.
Und zum Schluss noch mehr Fotos zum heutigen Tag – einmal nicht Tiere, sondern Menschen:
Nach einem feinen Essen im Hotel sind wir nach einem langen Tag mit 16092 Schritten früh schlafen gegangen.




