Die nächste Reiseetappe führt uns heute nach Andasibe. Rund 300 Kilometer Fahrt und somit etwa acht Stunden werden wir in unserem Bus Rosa verbringen, bis wir am Ziel angelangt sind.
Nachdem ich bereits viele Fotos von Menschen und Natur von unterwegs geteilt habe, schreibe ich heute etwas über drei Themen, die uns unterwegs immer wieder beschäftigt haben.
Immer wieder sind wir auf unserer Fahrt Bahnlinien entlanggefahren oder haben diese bei Bahnübergängen überquert. Der Bahnverkehr auf Madagaskar spielt trotz der begrenzten Ausdehnung des Schienennetzes eine wichtige Rolle im Verkehrssystem der Insel. Das Schienennetz Madagaskars wurde während der französischen Kolonialzeit gebaut und umfasst etwa 900 Kilometer an Schienenstrecken. Es wird hauptsächlich für den Güterverkehr genutzt, aber es gibt auch begrenzte Möglichkeiten für den Personentransport.

Das Schienennetz ist in zwei Hauptstrecken unterteilt. Tananarive-Côte Est (TCE) verbindet die Hauptstadt Antananarivo mit der Hafenstadt Toamasina (Tamatave) an der Ostküste. Es ist eine der wichtigsten Strecken für den Gütertransport, insbesondere für den Export von Waren wie Vanille, Kaffee und Nelken.
Fianarantsoa-Côte Est (FCE) führt von Fianarantsoa ins Tiefland zur Küstenstadt Manakara. Diese Strecke wird sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr genutzt. Die Fahrt dauert oft viele Stunden, da die Züge über steile Gebirgszüge und durch dichte Wälder fahren. Diese Linie wird auch der Dschungel-Express genannt und als Reisebaustein für Madagaskar-Reisen angeboten. Es ist nie klar, ob der Zug fährt oder ob er an einem unbekannten Ort stecken blieb, deshalb muss primär viel Zeit eingeplant werden, falls man dieses Abenteuer buchen möchte.
Die Bahninfrastruktur auf Madagaskar ist veraltet und wartungsintensiv, und viele Nebenlinien sind nicht mehr in Betrieb. Viele Schienenstrecken sind in schlechtem Zustand, und die Züge fahren unzuverlässig. Es gibt nur wenige Lokomotiven und Wagen, und die meisten von ihnen sind Jahrzehnte alt. Es gibt immer wieder Projekte, die in die Infrastruktur investieren, nur kommt das Geld nicht dort an, wo es geplant wäre.
Während unserer Fahrten von einem Nationalpark zum Nächsten sind wir immer wieder an brennenden Feldern und Hügeln oder an bereits abgebrannten Gegenden durchgekommen. Vor zwei Jahren ist uns dies nicht so aufgefallen, obwohl das Abbrennen von Feldern in Madagaskar schon seit Jahrzehnten zur Normalität gehört. Die Brandrodung auf Madagaskar, lokal als „Tavy“ bezeichnet, ist eine traditionelle landwirtschaftliche Praxis, bei der Wälder abgebrannt werden, um Platz für Ackerbau oder Viehweiden zu schaffen. Diese Methode wird seit Jahrhunderten angewandt. Mit dem Abbrennen entsteht durch die Asche Dünger für die nächste Pflanzung.
Das Problem ist jedoch, dass die Bevölkerung in den letzten 50 Jahren von 8 auf 30 Millionen Einwohner gewachsen ist. Somit ist auch der Bedarf an Nahrung und an Kohle gewachsen. Gekocht wird fast ausschliesslich mit Holzkohle. Somit werden Wälder abgebrannt und dann schneller wachsende Bäume wie der Eukalyptus gepflanzt. Oder es wird durch die Brandrodung neuer Boden für den Anbau von Reis, dem Grundnahrungsmittel auf Madagaskar, geschaffen. So sind in den letzten fünfzig Jahren rund 90 % der Wälder der Brandrodung und Abholzung zum Opfer gefallen. Somit verschwindet der Lebensraum für viele Tierarten, die es nur auf Madagaskar gibt. Durch die Armut der Menschen und auch die fehlende Bildung ist es schwierig, dieses Problem zu lösen. Von der Politik her wird da zu wenig investiert. Um das Problem zu lösen, sind ganzheitliche Ansätze erforderlich, die ökologische, wirtschaftliche und soziale Aspekte gleichermassen berücksichtigen.


Am 11. Dezember finden auf ganz Madagaskar Kommunalwahlen statt. Das ist so ähnlich wie bei uns die Kantonswahlen. Überall hängen Wahlplakate und finden Wahlveranstaltungen statt. Ein grosses Problem spiegelt sich in der sinkenden Lebensqualität bei allen Bevölkerungsschichten. So ist die Stromversorgung nicht immer gewährleistet. Die Armen haben immer weniger und ein Aufstand wird durch das Militär, das von der Regierung geleitet wird, unterdrückt. Die Bevölkerung hofft stark auf Regierungsmitglieder, die für die unteren Schichten kämpfen.

Auf unserem Weg von Antsirabe nach Andasibe hat es an der Strasse entlang Stände mit Holzlastwagen.
Die Spielzeuge werden den Knaben bei der Beschneidung geschenkt.
Es ist in allen Stämmen auf Madagaskar Tradition und ein grosses Fest, dass die Knaben beschnitten werden. Je nach Gegend und Volksstamm finden alle 3 Jahre oder alle 7 Jahre Massenbeschneidungen als Zeremonien statt.
In der Nacht vor der Beschneidung treffen sich die Familienangehörigen und singen und tanzen – das Fest beginnt. Am Morgen holen alle Männer Wasser aus der heiligen Quelle.
Ein traditioneller Medizinmann führt die Beschneidung aus und als Werkzeug wird ein Messer oder eine Schere benutzt. Diese und die Hände werden zuerst im heiligen Wasser gereinigt. Danach wird der Junge beschnitten. Die Vorhaut wird vom Vater oder vom ältesten anwesenden männlichen Verwandten geschluckt (meist in einem Stück Banane). Der beschnittene Knabe trägt, bis die Wunde verheilt ist, eine lange Robe. Danach gilt er in der Gesellschaft als Mann.
Stirbt ein Junge oder ein Mann unbeschnitten, wird er nicht im Familiengrab bestattet, sondern daneben in einer Einzelgruft.
Heute werden, vorwiegend im Hochland, die Knaben gleich nach der Geburt im Krankenhaus beschnitten.

Gegen Abend sind wir bei unserem Hotel Relais de Mantadia angekommen. Wir wurden herzlich begrüsst. Nach dem Einchecken und dem Bestellen des Abendessens konnten wir unser Zimmer beziehen. Dieses Hotel wird für die nächsten drei Nächte unser Zuhause sein.
Weitere Bilder zum heutigen Tag:




