Bereits um 07:00 Uhr werden wir von Jacques abgeholt. Er ist unser Fahrer für die ganze Zeit auf dem Festland.
Wir besuchten das Waldgebiet des Montagne des Français. Diese Region wurde im 14. Jahrhundert vom Anjoaty-Clan als „AMBOHITR’ANTSINGY” bezeichnet und ist der älteste Ort menschlicher Besiedlung auf Madagaskar.
Viele französische Soldaten sind hier ums Leben gekommen, als sie im Jahre 1942 gegen die englischen Truppen gekämpft haben, daher die Bezeichnung: «Berg der Franzosen».
Das Reservat besteht hauptsächlich aus trockenem Laubwald. Der Grossteil des Waldes befindet sich auf einem durch Erosion entstandenen Kalkmassiv, das lokal als Antsingy bekannt ist. Die Waldfläche erstreckt sich zwischen 100 und 450 m über dem Meer. Durch die Erhöhung ist der Niederschlag höher als in der umliegenden Gegend. Dies wiederum erklärt die üppige Vegetation der ansonsten sehr trockenen bioklimatischen Zone.
Es handelt sich um ein Ökotourismus-Schutzgebiet, das etwa 8 km entfernt von Diégo-Suarez an der Strasse nach Ramena liegt. Verschiedene Rundwege führen durch den Park, von einfach bis schwierig – wir haben uns für den mittleren Circuit entschieden, der rund 3,5 Stunden dauert.
Die Wege sind gut gepflegt und immer wieder sahen wir unterwegs Tiere. So konnten wir beim Fotografieren gleich eine Pause einlegen, denn wir merkten, dass wir nicht so fit waren.
Zwei Madagaskarfalken konnten wir beobachten. Der Madagaskarfalke (Falco newtoni), auch bekannt als Malegassenturmfalke, Katiti (kreolisch) oder Hitikitike (malagasy), gehört zur Gattung der Falken. Seinen Namen erhielt er zu Ehren des britischen Ornithologen Edward Newton. Die Art ist in zwei Unterarten vertreten: auf Madagaskar ist es Falco newtoni newtoni. Eine zweite Unterart gibt es auf dem Aldabra-Atoll. Die dort vorkommende Form wird auch als Aldabrafalke (Falco newtoni aldabranus) bezeichnet.

Neben nachtaktiven Grosskopfgeckos (Paroedura), verschiedenen Taggeckos (Phelsuma magdagascariensis, Phelsuma grandis und Phelsuma abotti chekei), Kaptäubchen und einem Chamäleon haben wir noch Schmetterlinge und ein wandelndes Blatt als Fotomotiv entdeckt:
Bis wir den Gipfel von 450 m über dem Meer erreichten, mussten wir 626 Treppenstufen erklimmen!
Diese wurden durch den obersten Teil des Aufstiegs durch einen Felsentunnel gebaut.

Ausser Atem oben angekommen, konnten wir auf der Plattform den Rundumblick über die Gegend geniessen.
Der Weg hinunter war viel weniger anstrengend, aber gab den „Chnöischlotteri“.
Anschliessend sind wir zum La Suarez Hotel gefahren und haben da den Nachmittag verbracht.
Wenn es noch interessiert, hier noch die History:
Im Jahr 1824, nach dem Abschluss eines Friedensabkommens mit König Antakarana TSIALANA, liessen sich RADAMA I., der König von Merina, und seine Truppen auf dem Ambohimarina-Massiv im südlichen Teil von Ambohitr’Antsingy, in der Nähe von Mahagaga, nieder, um ihr Königreich zu vergrössern. Sie errichten dort eine Festung namens „Fort Merina”, um die Kontrolle über den nördlichen Teil Madagaskars zu erlangen. So war König TSIALIANA gezwungen, sich der Autorität dieser Expedition zu beugen. Von 1902 bis 1914 errichtete die französische Militärlegion ebenfalls eine befestigte Basis auf dem Gipfel des Anosiravo, um ein Gegengewicht zur Präsenz der Merina-Expedition auf dem Massiv zu schaffen und die vollständige Kontrolle über die Bucht von Diégo-Suarez zu verstärken. In den 1940er Jahren wurde die Festung von den Engländern verstärkt, und 1943 organisierten sie eine Ausstellung im Inneren des Massivs, wodurch der Berg den Namen „Montagne des Français” (Berg der Franzosen) erhielt.
1955 erklärte die Kolonialregierung das Massiv zum Waldschutzgebiet.
1980 entdeckten Archäologen in einer Höhle in der Andavakoera-Schlucht archäologische Überreste mit Knochen und Tonscherben, die sie auf etwa 700 v. Chr. datieren konnten. An diesem Ort wurden auch Knochen von heute ausgestorbenen Tieren gefunden, darunter Riesenschildkröten und grossen Lemuren. Dank dieser Funde wurde der Montagne des Français zur ältesten archäologischen Stätte, die jemals auf Madagaskar entdeckt wurde. Heute ist er als Waldreservat mit einer äusserst vielfältigen Artenvielfalt bekannt, ein historischer, kultureller und öko-touristischer Ort in der Nähe des Stadtzentrums der Region Diana.
Im Jahr 2006 stufte die regionale technische Einheit des Vereins Service d’Appui à la Gestion de l’Environnement (UTR SAGE) das Gebiet Montagne des Français aufgrund der Gefahr einer Verschlechterung der Ökosysteme als SAPM ein. Diese Einstufung wurde von Conservation International unterstützt. Sie verkörpert die Essenz der Geschichte dieser Region im Norden des Landes, da sie alle Ereignisse widerspiegelt, die dort stattgefunden haben.
Im Jahr 2014 übertrug die UTR SAGE dem Regionalen Fremdenverkehrsamt von Diego Suarez (Office Régional du Tourisme de Diego Suarez, ORTDS) die Verantwortung für die Entwicklung und Verwaltung des Tourismus im nördlichen Teil des neuen Schutzgebiets Ambohitr’Antsingy – Montagne des Français (NAP AA MdF). Die Region Diana, Finanzpartner und die technischen Kompetenzen der NGO Azimut wurden ebenfalls von der SAGE hinzugezogen, um die erste Etappe des Ökotourismus-Entwicklungsprogramms der NAP AA MdF, den Anosiravo-Rundweg, durchzuführen. Die NGO Azimut führte zwischen April und August 2015 im Rahmen der Verlängerung der Partnerschaft mit der UTR SAGE und der ORTDS eine Bewertung des Potenzials für die Entwicklung des Ökotourismus auf den Wanderwegen und Rundwegen der NAP durch, mit dem Ziel, die Einrichtung neuer Rundwege auf die gesamte NAP auszuweiten.
Im Jahr 2017 wurde die rechtliche Struktur des Gebiets erneuert und als wirtschaftliche Interessengemeinschaft anerkannt, was zu dem Namen „Groupement d’Intérêt Économique Anosiravo” (G.I.E Anosiravo) führte.
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