13.09.2025 – Zweiter Tag in der Bucht Moramba

Geplant war, dass wir an einem zweiten Ankerplatz in der Bucht anlegen. Aufgrund des Windes und der Wellen bleiben wir jedoch an derselben Stelle – die Natur bestimmt unseren Zeitplan.

Zuerst fahren wir mit dem kleinen Boot an eine Sandbank und verbringen Zeit mit der Vogelfotografie. Neu im Tierkatalog ist der Graunackensänger (Neomixis tenella) – ein kleiner und nervöser Vogel, der hoch in einem Baum Fruchtsamen frisst.

Dieser madagassische Vogel kommt in allen Lebensräumen mit holziger Vegetation vor, einschliesslich Wald, Buschland, Savanne, Plantagen und sogar Dörfern. Aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit ist der Singvogel nicht gefährdet.


Und auch nur von weit weg kann ich einen Seeadler im Flug ablichten.


Die anderen Vogelarten sind „Wiederholungstäter“, aber trotzdem toll zum Beobachten.

Zurück auf dem Trimaran montiere ich die Flossen und Taucherbrille, um noch die Unterwasserwelt zu erforschen. Eigentlich dachte ich, dass es da nicht viel zu sehen gibt. Jedoch gibt es den Felsen entlang auch Korallen und dementsprechend auch Fische.

Eine Nacktschnecke habe ich auch entdeckt – diese sind um einiges hübscher als unsere Gartenschnecken! Die bunten, oft leuchtenden Farben dieser Meerestiere sind ein spektakulärer Anblick unter Wasser.
Die Krampfadernocke oder Eierspeis-Nacktschnecke (Phyllidia varicosa) gehört zu den grossen Arten der Nacktschnecken und kann bis über 10cm gross werden. Sie lässt sich durch ihre zahlreichen (3 bis 6) längs verlaufenden, mit Höckern besetzten Rückenrippen unterscheiden. Die Rippen und die Basis der Höcker sind blau-grau gefärbt. Die Höcker sind gelb oder orange überkapselt. Die Fusssohle hat einen schwarzen Längsstreifen. Diese Art gehört zur einzigen Familie von Meeresschnecken, die es vorzieht, während der Tagesstunden umherzuwandern. Sie ist ein spezialisierter Schwammfresser und kann Chemikalien aus den Schwämmen, die sie frisst, aufnehmen und in giftige Substanzen umwandeln, die sie vor Fressfeinden, insbesondere hungrigen Fischen, schützen.


Gegen 16:30 Uhr sind wir nochmals am Land spazieren gegangen. Leider schon fast etwas spät, denn das Licht war nicht mehr optimal für die Fotografie.

Wir haben noch einmal eine Gruppe mit Verreaux-Sifakas gefunden – diese eleganten weissen Lemuren sind immer wieder faszinierend zu beobachten.


Bei der Rückfahrt sehen wir ein Paar Madagaskar-Seeadler (Icthyophaga vociferoides) – ein absolutes Highlight!

Der Madagaskar-Seeadler ist mit seinen mächtigen dunkelbraunen Flügeln, dem scharfen Schnabel und den Krallen, die mühelos durch Fische stechen, einer der seltensten Greifvögel. Nur etwa 250 Tiere dieser Art leben auf der Insel, die Art ist seit Langem vom Aussterben bedroht.

Der Madagaskar-Seeadler ist ein mittelgrosser Seeadler, 60-66 cm lang und mit einer Flügelspannweite von 165-180 cm, mit einem hellbraunen Kopf, dunkelbraunem Körper und weißem Schwanz. Dieser kritisch gefährdete Vogel kommt sehr lokal entlang der Westküste im westlichen und nördlichen Madagaskar vor.

Ursprünglich kamen sie entlang der gesamten Westküste von Morombe bis Antsiranana (Diego Suarez) vor, heute sind nur noch 120 Brutpaare in zwei voneinander isolierten Regionen übrig: in Ankarafantsika und Antsalova nördlich der Tsingy de Bemaraha sowie entlang der Nordwestküste.

Das Leben des Seeadlers ist, wie der Name schon sagt, immer an Wasser gebunden. Sie bewohnen Mangroven, Flüsse, Inseln und Seen – aber nur wenige Orte bieten genügend große Bäume, Klippen und klares, sauberes Wasser.

Madagaskar-Seeadler sind Nahrungsspezialisten: Sie leben fast ausschliesslich von Fisch, aber sie sind nicht von einheimischen Fischarten abhängig – ihre Lieblingsnahrung ist heute Tilapia, eine eingeführte und weitverbreitete Art.
Hoch über dem See thronend, erspähen sie ihre Beute direkt unter der Wasseroberfläche und fischen sie im Sturzflug mit ihren scharfen Krallen heraus.

Die Hauptbedrohungen für seinen Lebensraum sind Entwaldung, Bodenerosion und die Entwicklung von Feuchtgebieten zu Reisfeldern. Der Seeadler steht auch in direkter Konkurrenz mit Menschen um Fischbestände.

In einigen Teilen ihres Verbreitungsgebiets sind die Adler durch Aberglauben bedroht: Einige Menschen glauben, dass der Besitz eines Fusses eines Madagaskar-Seeadlers ihnen Heilkräfte bringt, also fangen sie die Adler und hacken ihnen ein Bein ab. Die meisten Adler überleben diese schwere Verletzung nicht. Jedoch gibt es am Studienstandort von The Peregrine Fund einen Vogel, der dieses schreckliche Ereignis überlebte und erfolgreich jagt, einen Partner hat und sogar Junge aufzieht – alles mit nur einem Fuss!


Weitere Bilder zum heutigen Tag von der Bucht Moramba:


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