Heute besuchen wir den Ranomafana Nationalpark. Dieser Park gehört zu den letzten Bergnebelwäldern unserer Erde und ist die Heimat zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, von denen heute leider zahlreiche Gattungen stark vom Aussterben bedroht sind. Er gehört seit 2007 zum UNESCO-Naturerbe. Mit 55’000 Hektaren und den vielen Treppen im Park, die durch die Hügel führen, werden wir sicherlich unsere Muskeln nach der Wanderung spüren.

Bereits nach kurzer Zeit sind wir auf den grossen Bambuslemur gestossen. Ungünstigerweise hat es im ganzen Park nur ein einziges Tier. Nach der Pandemie wurden von einem anderen Park drei Tiere im Park ausgesetzt, in der Hoffnung, die Population wiederzubeleben. Bedauerlicherweise sind alle neuen Tiere beim grossen Zyklon Anfang 2024 ums Leben gekommen.
Der grosse Bambuslemur (Prolemur simus) ist eine seltene und faszinierende Lemurenart. Dieser scheue Halbmaki ist bekannt für seine besondere Ernährung: Er frisst fast ausschliesslich Bambus, einschliesslich der Bambusschösslinge, die eine hohe Konzentration an giftiger Blausäure enthalten – ein faszinierendes Beispiel für seine Anpassungsfähigkeit. Mit seinem dichten Fell und seinem markanten Aussehen ist der grosse Bambuslemur ein Höhepunkt für Besucher des Parks.
Da der Lemur von den Guides immer am selben Ort gefüttert wird, wissen dies auch Parkführer und ALLE Touristen treffen sich an diesem Ort ein. Es bereitet keine Freude, Tiere so zu beobachten und zu fotografieren.
Unsere zwei Guides haben relativ schnell begriffen, dass uns diese Menschenmenge nicht gefällt. Wir haben den Vorschlag, den Park zu verlassen und einen etwas unbekannteren Weg zu gehen, gerne angenommen. Mit dem Bus sind wir etwas weiter in die Hügel gefahren und haben dort den Rundgang Sahamalaotra in Angriff genommen. Mit den vielen Fotostopps haben wir für 7 Kilometer Weg (aber auch viel auf und ab) fast vier Stunden benötigt.

Der Weg führt über schmale Pfade und durch eine üppige Vegetation, vorbei an hohen Baumriesen, Farnen und exotischen Orchideen. Vor allem haben wir viele Insekten entdeckt. Die Vielfalt an verschiedenen Schreckenarten, Käfern und Libellen ist beeindruckend.
Das Buntfröschchen Mantella baroni, auch als Barons Mantella bekannt, ist eine der auffälligsten Froscharten Madagaskars. Dieser kleine Frosch gehört zur Familie der Mantella-Frösche und ist bekannt für die leuchtend farbenfrohe Musterung, die meist aus einer Kombination von Schwarz, Orange, Gelb oder Grün besteht. Ihre strahlenden Farben dienen als Warnsignal für potenzielle Fressfeinde, da die Frösche giftige Hautsekrete absondern können.
Mantella baroni bewohnt vorwiegend die feuchten Regenwälder im Osten Madagaskars. Gefunden hat unser Guide das Fröschchen am Bachlauf im feuchten Waldboden. Diese tagaktiven Frösche ernähren sich von kleinen Insekten und Spinnen. Dieser Frosch ist auf der 100 Ariary Note aufgedruckt.

Da dieser Teil des Parks nicht so besucht wird, sind auch die Tiere eher scheu. In den Bäumen haben wir Edwards Sifakes entdeckt (also eigentlich nicht wir, sondern die Guides). Um Fotos zu schiessen, auf denen man die Tiere auch etwas näher hat, bin ich mit einem unserer zwei Führer quer durch das Gebüsch, den Hügel hochgeklettert. Für die Fotos hat es sich gelohnt, meine Beine haben jedoch gelitten, gab es doch ein paar Kratzer und Beulen.
Der Edward-Sifaka (Propithecus edwardsi), auch als Milne-Edwards-Sifaka bekannt, lebt wie alle Lemuren nur auf Madagaskar. Edward-Sifakas sind mittelgrosse Lemuren und leben in kleinen sozialen Gruppen. Die meiste Zeit verbringen sie hoch in den Baumwipfeln, wo sie sich elegant von Baum zu Baum bewegen. Ihre Hauptnahrung besteht aus Blättern, Früchten und Blüten, wobei sie eine wichtige Rolle im Ökosystem spielen, indem sie Samen verbreiten die zur Erhaltung des Waldes beitragen.
Leider gehört der Edward-Sifaka zu den bedrohten Arten, da sein Lebensraum durch Abholzung und Brandrodung sehr stark eingeschränkt wird.
Den Nachmittag hatten wir zur freien Verfügung.
Am Abend, als die Dunkelheit über den Regenwald hereinbricht, erwacht eine Vielzahl von nachtaktiven Tieren, die tagsüber kaum zu sehen sind. Ausgerüstet mit der Taschenlampe, dem Schwarzlicht und der Fotoausrüstung haben wir uns wiederum auf die Suche nach nachtaktiven oder schlafenden Tieren gemacht.
Gefunden haben wir eine Vielzahl an Chamäleons, von winzig bis gross. Zwei Frösche im Gebüsch und zwei Stabschrecken bei der Paarung. Somit hat sich der Spaziergang der Strasse entlang gelohnt.
Unser Nachtessen haben wir wiederum im Dorfrestaurant genossen.
Nach einem doch etwas anstrengenden Tag und 12’822 Schritten sind wir am Abend müde ins Bett gehuscht.
Weitere Fotos vom Tag:




