Morgenstund hat Gold im Mund – oder einfach, es lohnt sich früh aufzustehen. Denn die Blüten des grossen Kaktus in der Lodge öffnen sich nur in den Morgenstunden. Bereits um 08:00 Uhr waren die Blüten wieder geschlossen. Der Nektar zog die Bienen an und es summte und brummte in der Luft.
Auf dem Dach des Bungalows haben die Grauköpfchen (Agapornis canus) die Morgensonne genossen.
Diese kleine Papageienart gibt es nur auf Madagaskar. Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es weitere Unterarten der Agaporniden. Bei den Grauköpfchen sind Männchen und Weibchen unterschiedlich gefärbt. Nur das Männchen hat den grauen Kopf, der der Art den Namen gab.

Auch die Zwergelsterchen (Lepidopygia nana, Syn.: Lonchura nana) waren aktiv und bauten Nester. Zwergelsterchen kommen nur auf Madagaskar vor und sind die einzigen Prachtfinken im Land.
Das Männchen hat das Weibchen umworben und einen Grashalm als Geschenk gebracht. Anschliessend fand die Paarung statt. Ich weiss nicht, ob dies Zufall war, oder ob diese Prachtfinkenart den Weibchen immer ein Paarungs-Geschenk bringt.
Bevor wir weiterreisen, besuchen wir noch eine Seidenfabrik. Die auf Madagaskar vorkommende Seidenraupenart ernährt sich von den Blättern des Tapiabaumes (Uapaca bojeri), der ausschliesslich auf Madagaskar vorkommt und in der Umgebung der Stadt gut gedeiht. Die Raupen-Puppen werden getrocknet angeliefert und dann jeweils sieben Stück zu einem Ball zusammen geformt. Diese werden auf einem Feuer in einem Topf drei Tage gekocht. Anschliessend werden aus dem Brei die Fasern herausgelöst und dann von Hand zu Fäden gedreht. Die Naturfasern werden mit Kurkuma gelb, mit Randen rot, Rosenholz oder anderen Hölzern in Brauntönen natürlich gefärbt, blau und lila werden synthetisch eingefärbt.
Es wird ein Sud aus Aloa-Vera und Bananenschale verwendet, um die Farben zu konservieren. Auf alten Holzwebrahmen werden dann die Seidentücher gefertigt und dann im Shop oder auf dem Markt verkauft. Diese werden als traditionelle Kleidung oder bei besonderen Anlässen verwendet. Frauen und Männer tragen das feine Seidentuch, auf Madagassisch „Lamba Landy“, oft stilvoll über die Schulter gelegt. Das kostbare Tuch hat nicht nur eine besondere Bedeutung für die Lebenden, sondern auch für die Verstorbenen. In vielen Ethnien Madagaskars wird es bei Bestattungen genutzt, um die Verstorbenen darin würdevoll zu hüllen.
Die Gegend um Ambalavao pflanzt als einziger Ort auf Madagaskar Weintrauben an. Missionare haben während der Kolonialzeit Reben eingeführt und mit dem Weinbau begonnen. Es werden Weiss- und Rotweine für den einheimischen Markt produziert. Die Traubenlese findet im Januar oder Februar statt.


Die Fahrt nach Ranomafana, wo sich der berühmte Nationalpark befindet, steht heute auf dem Programm. Nach 120 Kilometern Entfernung und etwa 3 Stunden Autofahrt haben wir unser Ziel erreicht.
Der erste Stopp machten wir beim Wasserfall.

Im Anschluss haben wir unser Mittagessen in einem lokalen Restaurant gegessen. Wie immer sind die Portionen viel zu gross für europäische Verhältnisse. Eine Suppe ist eine Mahlzeit, da muss man keine Hauptspeise mehr bestellen.
Vor dem Restaurant und ganz in der Nähe bei einem Bauern werden Chamäleons zum Fotografieren präsentiert. Hier ist uns zum ersten Mal aufgefallen, dass es viel mehr Touristen als vor zwei Jahren hat.
Ob im 2022 die Menschen noch weniger reisten aufgrund der Pandemie oder ob die Destination Madagaskar heute mehr besucht wird, können wir nicht sagen. Jedoch mussten wir für das Fotografieren der Chamäleons hinten anstehen.
Danach haben wir noch im Dorf einen kleinen Rundgang gemacht.
Wir fuhren anschliessend zu unserer Lodge. In der Setam Lodge waren wir bereits vor zwei Jahren und waren damals nicht so glücklich über den Service. Die Führung und die Belegschaft haben jedoch gewechselt und wir wurden herzlich begrüsst. Wir haben unsere Bungalows bezogen und uns eingerichtet.
Abends um 17:30 Uhr fuhren wir bereits zum Anfangspunkt der Nachtwanderung. Unser Guide sagte uns, dass wir früh am Ort sein müssen, damit wir den Platz haben, um den Mausmaki zu sehen, denn dieser kommt um 18:00 Uhr. Tiere auf Zeit – das kannten wir von unserer letzten Madagaskarreise auch nicht!

Aber wir waren vor Ort und der Mausmaki kam pünktlich. Die Mausmakis wurden mit einer Banane, die an den Baumstamm gestrichen wurde, angelockt. Da dies für die kleinste Lemurenart ein Leckerbissen ist, hat sich der kleine Wicht auch herrlich präsentiert, als er den Bananenbrei leckte.
Und gut waren wir die ersten vor Ort, so konnten wir uns den Platz zum Fotografieren in der ersten Reihe sichern.
Dann sind wir die Strasse entlanggelaufen. Wir haben in den Bäumen und Büschen nach Tieren gesucht. Zwei Chamäleons, ein Blattschwanzgecko und eine hübsche Raupe wurden in den Bäumen und Sträuchern gefunden.
Wir haben nicht herausgefunden, ob man die Arten Uroplatus auf Deutsch mit B oder P schreibt. Ob es nun Blattschwanzgecko (abgeleitet aus dem englischen leaf-tailed gecko) oder Plattschwanzgecko (Uroplatus griechisch: uro = Schwanz; platus = platt) heisst.




