06.09.2025 – Schnorcheln, Seeadler und Bergtour

Nach einem traumhaften Sonnenaufgang gibt es um 07:00 Uhr morgens bereits das Frühstück an Bord – frisches Brot, tropische Früchte, Omelette und Kaffee. Dann setzen wir Kurs auf den Strand d’Ampohana, wo wir zu einer Wanderung entlang der Küste aufbrechen.

Der Strand ist menschenleer, fast unberührt – reines Karibikfeeling; weisser Sand, türkisblaues Wasser, Palmen, die sich im Wind wiegen. Doch dann treffen wir überraschend auf Auswanderer aus Deutschland und der Schweiz, die hier dabei sind, eine Kommune aufzubauen – Paradisa.me.


Im Gespräch mit den Auswanderern erfahren wir viel über das Leben hier. Die Einheimischen in dieser Gegend leben sehr spirituell und eng verbunden mit ihren Ahnen. Regelmässig werden Rituale abgehalten – mit Gaben, Gesang und Trommelbegleitung, die oft die ganze Nacht dauern. Eine faszinierende Mischung aus Tradition und Alltag.

Doch es gibt auch Herausforderungen. Ein grosses Problem sind die vielen herrenlosen Hunde. Eine der Auswanderinnen füttert mittlerweile 26 Tiere zu, und drei Hündinnen haben bereits wieder Junge bekommen. Die Population wächst exponentiell. Ende September soll eine Tierärztin kommen und alle Rüden kastrieren – eigentlich ist das von den Einheimischen verboten. Doch nachdem die Frau ihnen vorgerechnet hat, in welchem Tempo sich die Tiere sonst vermehren würden, hat sie die Erlaubnis für die Kastration erhalten. Dies ist ein kleiner Sieg der Vernunft.

Nach dem Gespräch wandern wir weiter den menschenleeren Strand entlang. Für die Kinder, die uns neugierig beobachten, machen wir wieder Fotos und drucken sie aus – bis das Papier leer ist. Ihre leuchtenden Augen sind jedes Mal ein Geschenk.


Zurück an Bord setzen wir die Segel und fahren zur Insel Nosy Kisimany. Hier schnorcheln wir etwa eine Stunde lang. Das Riff liegt tief unten, da bereits Flut ist, und somit ist auch die Sicht nicht ganz so klar wie gestern. Trotzdem gelingen vereinzelt gute Fotos – bunte Fische, die zwischen den Korallen hindurchhuschen, und die immer wieder faszinierende Unterwasserlandschaft.


Auf der Insel Nosy Kisimany hat ein Paar Madagaskar-Seeadler (Haliaeetus vociferoides) sein Nest hoch oben in den Baumwipfeln gebaut. Dieser majestätische Greifvogel ist endemisch in Madagaskar und stark gefährdet – nur 200 bis 300 Brutpaare existieren noch. Somit ist die Sichtung ein echtes Privileg.

Wir haben etwas Zeit und hoffen auf spektakuläre Flugaufnahmen. Doch die Adler haben auch Zeit – und anscheinend keine Eile. Nur ein Tier ist aktiv und sammelt Material für das Nest. Es könnte sein, dass bereits Eier im Nest liegen und das andere Tier brütet. Geduld ist gefragt beim Fotografieren dieser scheuen Riesen. Doch allein die Anwesenheit dieser seltenen Vögel ist beeindruckend genug.

Für die Nacht ankert unser Trimaran in der Baie des Russes (Russische Bucht) – ein geschützter, ruhiger Ort mit einer besonderen Geschichte.

Die Baie des Russes verdankt ihren Namen einem historischen Ereignis: Ein kaiserlich-russisches Geschwader, das von St. Petersburg aus gestartet war, legte von Dezember 1904 bis März 1905 hier einen Zwischenstopp ein. Die Flotte befand sich auf dem Weg in den Russisch-Japanischen Krieg.

Am 16. März 1905 lichtete das russische Geschwader die Anker und nahm Kurs auf Japan. Doch das Schicksal war nicht gnädig: In der Schlacht von Tsushima wurde die Flotte von den Japanern vernichtend geschlagen – eine der entscheidenden Seeschlachten der modernen Geschichte. Von den 38 russischen Schiffen, die in die Schlacht zogen, wurden 21 versenkt, sieben erobert, und nur wenige entkamen.

Heute erinnert der Name dieser ruhigen, friedlichen Bucht an jenes tragische Kapitel der Geschichte. Während wir hier in der Stille der Nacht vor Anker liegen, ist es schwer vorstellbar, dass von hier aus einst eine ganze Flotte in ihr Verderben zog.

Bevor das Schiff hier vor Anker geht, werden wir an Land abgesetzt. Gemeinsam mit Ismael wandern wir über den Hügel, in der Hoffnung, Vögel oder Chamäleons zu fotografieren. Der Aufstieg ist steil und schweisstreibend und die tropische Hitze macht sich bemerkbar. Leider entdecken wir keine Tiere. Die Chamäleons sind wohl heute besonders gut getarnt, und die Vögel halten sich versteckt.

Doch der Marsch ist trotzdem lohnenswert. Der Ausblick vom Gipfel über die Bucht, die umliegenden Inseln und das endlose Meer ist atemberaubend. Der Weg hinunter führt uns durch dichten Wald, vorbei an uralten Bäumen und exotischen Pflanzen. Die Anstrengung wird durch die Schönheit der Natur mehr als wettgemacht.


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