Heute ist der letzte mit unserem Begleiter Jacques und gleichzeitig der Beginn unseres zehntägigen Abenteuers auf dem Wasser. Um 07:00 Uhr morgens brechen wir nach Ankify auf, ein letztes Mal über die holprigen, staubigen Strassen. Die Hafenstadt empfängt uns mit der gewohnten geschäftigen Betriebsamkeit.

Kaum haben wir den Hafen erreicht, werden wir von einer Schar enthusiastischer Bootsführer umringt. Jeder bietet uns die Überfahrt nach Nosy Be auf seinem privaten Schiff an. Die Preisverhandlungen beginnen bei 200.000 Ariary und nach einigem Hin und Her landen wir bei 120.000 – bis plötzlich noch 20.000 Ariary für Gepäck und Gepäcktragen hinzukommen. So ist das eben hier: Der Endpreis ist nie wirklich der Endpreis.
Wir übergeben dem Skipper unsere Pässe, damit er unsere Fahrt am Schalter eintragen kann. Dann kommt der Moment des Abschieds: Jacques hat uns die vergangenen Tage treu begleitet, und zum Dank überreichen wir ihm einen Chamäleon-Rucksack, gefüllt mit Trinkgeld, einem Schweizer Sackmesser, Kugelschreibern und einem Spielball. Seine Freude ist herzlich und echt und somit ein schöner Abschluss unserer gemeinsamen Tage.

Privat bedeutet in diesem Fall nicht, dass wir allein sind – zwei weitere Reisende teilen sich das Boot mit uns. Doch das stört nicht. Die gut halbstündige Überfahrt über das türkisblaue Wasser ist herrlich. Der Wind weht frisch, die Gischt spritzt gelegentlich über den Bug, und der Horizont wird von der grünen Silhouette von Nosy Be dominiert.
Am Hafen von Nosy Be angekommen, beginnt das Spiel von vorn: Wiederum werden wir von Taxifahrern belagert. Wir benötigen eine Fahrt zum Hafen „Le Cratère“, von wo aus unser Trimaran ablegen wird. Dieses Mal verzichten wir aufs Handeln und zahlen 80.000 Ariary für die 30-minütige Fahrt – manchmal ist es das Feilschen einfach nicht wert.
Der Kontrast zum Festland ist sofort spürbar. Die Strassen auf Nosy Be sind gut gepflegt, aber auch gut befahren. Ich weiss nicht, wie viele Tuktuks da unterwegs sind, aber wir sind Kolonne gefahren und auf der Gegenseite waren auch selten Lücken zwischen den Fahrzeugen.
Man sieht den Geschäften und Restaurants an, dass es hier viel mehr Touristen als auf dem Festland hat.


Unser Trimaran, der die nächsten 10 Tage unser Zuhause sein wird, lag im Hafen.
Ich habe alles über das Internet via Mail organisiert, und man weiss doch nie, ob es dann auch funktioniert.
Doch meine Sorgen sind unbegründet. Ismael holt uns mit dem Beiboot samt Gepäck am Pier ab, und an Bord werden wir von Lugon und Rasin herzlich empfangen.
Unsere Koje ist überraschend geräumig, mit genügend Stauraum für all unsere Sachen. Wir richten uns ein, packen unsere Koffer aus, und schon fühlen wir uns heimisch in unserem Zimmer.
Dann setzen wir die Segel und gleiten hinaus aufs offene Meer, Kurs auf die Insel Tanikely. Diese kleine Insel ist ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen von Nosy Be und Nosy Komba und entsprechend viele Boote liegen bereits vor Anker, als wir eintreffen.
Die Insel und die umliegenden Gewässer bilden seit 2010 ein Meeresschutzgebiet (Réserve Marine de Nosy Tanikely). Dies schützt die reichen Korallenriffe und die vielfältige Unterwasserwelt rund um die Insel.

Wir schnappen uns Schnorchel und Flossen und tauchen ein in eine andere Welt. Eine Stunde lang schweben wir über Korallen, beobachten bunte Fische, die zwischen den Korallen hindurchhuschen, und dann der absolute Höhepunkt. Wir begegnen zwei Meeresschildkröten. Majestätisch gleiten sie durchs Wasser, scheinbar unbeeindruckt von unserer Anwesenheit.
Zurück an Bord erwartet uns die erste Mahlzeit, und was für eine: Als Vorspeise gibt es einen cremigen Avocado-Salat, gefolgt von einem herzhaften Hauptgang aus Zebufleisch in einer würzigen Gemüsesuppe mit Reis. Zum Abschluss wird ein frischer Fruchtsalat serviert. Das Essen ist ausgezeichnet – wenn das der Standard für die nächsten zehn Tage ist, werden wir hier sehr glücklich sein.


Nach dem Essen werden wir an Land gefahren für einen Spaziergang zum Leuchtturm der Insel. Man erzählt uns, dass es auf Tanikely Fledermäuse, Kronenmakis und natürlich Chamäleons gibt. Doch trotz aufmerksamer Augen bleiben diese Tiere verborgen. Stattdessen huschen kleine Echsen durchs Unterholz, und in den Baumkronen zwitschern Vögel ihr Nachmittagskonzert.
Der Leuchtturm selbst bietet einen wunderschönen Ausblick über die Insel und das umgebende Meer.
Am frühen Nachmittag setzen wir die Segel und fahren weiter zur Mündung von Kisimany, wo unser Ankerplatz für die Nacht liegt. Es ist ein ruhiger, abgeschiedener Ort, weit weg von den Touristenströmen. Das sanfte Schaukeln des Bootes, das rhythmische Rauschen des Meeres, es ist so beruhigend, dass ich eine Stunde lang tief und fest schlafe.
Als ich aufwache, liegt das Schiff friedlich vor Anker. Wir spielen Karten und geniessen den spektakulären Sonnenuntergang, der den Himmel in Orange-, Rosa- und Violetttöne taucht, und lassen uns das köstliche Abendessen schmecken.
Dann fallen wir müde, aber glücklich in unsere Betten. Die sanften Bewegungen des Schiffes wiegen uns in den Schlaf – der erste von zehn Nächten auf dem Wasser.




