03.09.2025 – Heisse Quellen und der Wasserfall Bon Pière

04:45 Uhr – der Wecker reisst mich unsanft aus dem Schlaf. Noch ist es stockdunkel, doch wir müssen los. Das Ziel: die heissen Quellen, die nicht nur wegen ihres warmen Wassers bekannt sind, sondern auch als Übernachtungsort für zahlreiche Vogelarten dienen. Gegen 07:00 Uhr fliegen alle Vögel aus, um auf Nahrungssuche zu gehen – und genau diesen Moment wollen wir erleben.

Nach einer holprigen Fahrt durch die erwachende Landschaft erreichen wir einen kleinen Ort, an dem wir das Auto abstellen. Von hier aus geht es zu Fuss weiter, etwa 30 Minuten durch die Morgendämmerung.

Eine Flussdurchquerung, kühl, erfrischend und definitiv wach machend, bringt uns auf die andere Seite. Wir laufen durch ein verschlafenes Dorf, wo schon die ersten Bewohner ihre Feuer entfachen, und erreichen schliesslich den Ort der Quelle. Wir sehen zuerst einmal nur einen Teich, auf dem noch viele geschlossene Blüten der blauen Lotusblume (Nymphaea caerulea) auf die Sonne warten.


Viele Vögel sind bereits weggeflogen, aber es gibt trotzdem noch viel zu sehen. Grauköpfchen – kleine, lebhafte Kobolde – fliegen in grösseren Schwärmen umher und landen immer wieder am Boden, wo sie eifrig nach Futter suchen. Ihr graues Köpfchen hebt sich deutlich vom grünen Körper ab. Die Weibchen haben einen braunen Kopf und somit sind die Geschlechter gut zu unterscheiden. Bei vielen anderen Agaporniden-Arten sind beide Geschlechter gleich gefärbt.

Am Teich haben sich Grüntauben und eine Madagaskartaube eingefunden, die am Boden nach Samen suchen. Auf den Bäumen ringsum sitzen Feder-Reiher, die ihre Flügel in der Morgensonne ausbreiten, um sich nach der kühlen Nacht aufzuwärmen – ein malerisches Bild vor dem Hintergrund des erwachenden Tages.

Anschliessend führt uns der Guide ins Gebüsch zur eigentlichen Thermalquelle. Ich hatte mir offen gesagt etwas Grösseres vorgestellt – stattdessen finden wir ein Loch von knapp einem Quadratmeter. Aber was ihm an Grösse fehlt, macht es an Faszination wett.

Das Wasser ist etwa 40°C heiss, und während der Regenzeit soll es noch wärmer sein. Ständig steigen Luftblasen im Wasser auf – ein faszinierendes Schauspiel. Ist es heisses Wasser, das von unten aufsteigt? Oder ist die aufsteigende Luft heiss und erwärmt das Wasser? Unser Guide weiss es auch nicht genau. Ebenso unklar bleibt, ob die Quelle von einem unterirdischen Vulkan gespeist wird oder was genau dieses warme Wasserloch verursacht.

Was jedoch feststeht: Für die Einheimischen ist dieser Ort heilig und „fady“ (tabu). Man kann Geld in eine bereitstehende Schale legen und sich etwas wünschen. Leider habe ich vergessen zu fragen, wer das Geld dann erhält – eine Frage, die mich jetzt im Nachhinein beschäftigt.


Zurück im Dorf gibt es Kaffee und Schokoladencroissants – ein unerwarteter, aber sehr willkommener Genuss. Bis zum Mittagessen müssten wir nun warten, also beschliessen wir, einen Spaziergang rund um das Dorf zu machen, um uns die zwei Stunden zu vertreiben.

Nach dem Mittagessen sind wir den Weg zu unserem Fahrzeug wieder zurückgelaufen. Wiederum musste der Fluss zu Fuss überquert werden. Dies sind so Momente, in denen Expedition und Abenteuer aufeinandertreffen. Wie man auf den Fotos erkennen kann, macht auch dies Spass! Und da die Sonne scheint, sind auch die Kleider schnell wieder trocken.

Unser Tagesausflug führt uns weiter zum Wasserfall Bon Pères. Vom Parkplatz aus mussten wir zuerst einen steilen Hang hinunterlaufen, um zu der Prioge zu gelangen, die uns dann flussaufwärts zum Wasserfall bringt.

Der Fluss ist nicht sehr tief, und an mehreren Stellen muss das Boot über Sandbänke geschoben werden. Dies ist ein mühsames, aber auch amüsantes Unterfangen. Die Bootsführer kennen jeden Zentimeter des Flusses und navigieren geschickt durch die flachen Stellen.

Dann, nach einer halben Stunde Fahrt, legen wir am Ufer an und nach ein paar Schritten in den Wald stehen wir vor dem Wasserfall. Der Anblick ist spektakulär – das Wasser fällt über mehrere Stufen den Berg herunter, jede Kaskade ein eigenes kleines Kunstwerk der Natur.

Das Herauf- und Herabklettern ist allerdings mühsam. Es gibt keinen Weg, nur die nassen, rutschigen Steine. Aber ich klettere bis ganz nach oben, um den Blick über den Fluss zu geniessen.

Wieder unten angekommen, entdecke ich in zwei kleinen Wasserbecken am Fuss des Wasserfalls.
Das Wasser ist nicht sehr tief, und es gibt viel Schlamm, was das Fotografieren zur Herausforderung macht. Aber die Mühe lohnt sich.

Ein Schwarm wunderschöner Kärpflinge schwimmt durchs klare Wasser. Die Männchen schimmern blau-grün-gelb – kleine, lebendige Juwelen. Die Weibchen sind schlichter, nur gelblich gefärbt, aber nicht weniger elegant.

Dazwischen entdecke ich winzige Garnelen – maximal ein Zentimeter gross, die fast transparent durchs Wasser huschen. Auch Schmerlen schlängeln sich über den sandigen Grund.

Und dann schwimmt mir auch noch eine einzelne Kaulquappe vor die Linse – der Nachwuchs eines Frosches auf dem Weg zur Metamorphose.

Diese kleinen Wasserbecken sind wie Mikro-Ökosysteme – voller Leben, voller Farben, voller Überraschungen.

Mit der Piroge fahren wir zurück zum Auto. Es geht wieder über Sandbänke, aber sonst gemütlich auf dem ruhig fliessenden bis zum Startplatz bei der Brücke. Anschliessend fahren wir zurück zur Lodge. Wir sind müde, aber erfüllt von den Eindrücken des Tages.

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