02.09.2025 – Reisetag nach Ambanja – Im Land von Kakao und Vanille

Der Morgen bricht an, und wir verabschieden uns von der Ankarana Lodge. Noch vor der Abfahrt sichten wir direkt vor unserem Bungalow Wiedehöpfe. Die eher scheuen Vögel haben am Boden nach Nahrung gesucht. Der Upupa marginata, der Madagaskar-Wiedehopf, frisst, ähnlich wie sein europäischer Verwandter, hauptsächlich Insekten und deren Larven, die er am Boden sucht, darunter Grillen, Käfer und deren Larven, Raupen, Spinnen, Asseln und Tausendfüsser; gelegentlich stehen auch Regenwürmer und kleine Wirbeltiere wie Eidechsen oder sogar Froschlaich auf dem Speiseplan.


Die heutige Reise führt uns nach Ambanja. Der ursprüngliche Name dieser Stadt hiess „Ambodimanga“, wörtlich bedeutet dies „wo viele Mangobäume wachsen“. Tatsächlich herrscht hier ein einzigartiges Mikroklima, das die Erde überaus fruchtbar macht und die Region zu einem der wichtigsten Anbaugebiete Madagaskars für Mango, Kakao, Reis, Kaffee und Vanille werden liess.

Ambanja ist besonders berühmt für eine der weltweit edelsten Kakaosorten: Criollo. Diese seltene Bohne ist in gehobenen Sternenküchen weltweit begehrt und zeichnet sich durch ihren ausgeprägten, aromatischen Geschmack und einen geringen Anteil an Bitterstoffen aus. Der Anbau erfolgt hier zu 100 % biologisch.

Noch vor unserer Ankunft in Ambanja legen wir einen Stopp ein. Ein lokaler Farmer führt uns durch die Plantage, die vorwiegend für Touristen hergerichtet wurde, und zeigt uns die Kultivierung von Kakao, Pfeffer und Vanille – drei der wertvollsten Exportgüter Madagaskars.

Wir stehen zwischen Kakaobäumen, an deren Stämmen direkt die Früchte wachsen. Dieser Blüten- und Fruchtstand bei Pflanzen wird Kauliflorie genannt. Unser Guide erklärt uns, dass es drei verschiedene Kakao-Arten gibt, die hier angebaut werden:

1. Die grüne Frucht – Diese Sorte ergibt die günstigeren Bohnen, die vor allem für Massenproduktion verwendet werden.

2. Die rote Frucht – Hier handelt es sich um die hochwertigere Sorte, deren Bohnen für feine Schokolade genutzt werden.

3. Der Hybrid – Ein Baum, der aus den beiden ersten Sorten gezüchtet wurde, um die besten Eigenschaften beider Arten zu vereinen.

Nach der Reife werden die Bohnen aus der Schale entnommen und für sieben Tage fermentiert – ein entscheidender Schritt, bei dem sich die charakteristischen Aromen entwickeln. Anschliessend erfolgt die Trocknung an der Sonne, oft auf grossen Bambusmatten ausgebreitet. Nach der Trocknung werden die Bohnen nach Qualität sortiert und verkauft. Die grösste Menge wird nach Europa exportiert, wo sie zu edler Schokolade verarbeitet wird.


Zwischen den Kakaobäumen rankt sich eine Kletterpflanze empor: der Pfefferstrauch. Er trägt das ganze Jahr über Früchte in unterschiedlichen Reifestadien.

Grüner Pfeffer: Die unreifen, grünen Pfefferkörner werden oft in Öl oder Lake eingelegt und finden so Verwendung in der Küche – mild, aromatisch und mit frischer Schärfe.

Schwarzer Pfeffer: Die noch unreifen grünen Körner werden geerntet und getrocknet, wobei sie ihre charakteristische schwarze, runzlige Haut und intensive Schärfe entwickeln.

Roter Pfeffer: Die vollreifen roten Früchte werden ebenfalls getrocknet oder eingelegt – sie sind süsser und fruchtiger als schwarzer Pfeffer.

Weisser Pfeffer: Hierfür werden die vollreifen Früchte in Wasser eingeweicht, bis sich die äussere Schale löst. Übrig bleibt der helle Kern – milder, aber mit einer anderen Schärfe-Nuance.

Und dann die Vanille – Madagaskars teuerster Export und nach Safran das zweitteuerste Gewürz der Welt. Was viele nicht wissen: Die Vanille-Pflanze ist eine Orchidee, eine kletternde Pflanze mit zarten Blüten.


Nach der Blüte bilden sich die langen, grünen Samenschoten, die gepflückt und einem aufwendigen Prozess unterzogen werden: Blanchieren, Fermentieren, Trocknen – ein Verfahren, das Monate dauert und die charakteristisch dunklen, aromatischen Vanillestangen hervorbringt, die weltweit in Küchen und Konditoreien verwendet werden.

Die Bestäubung der Vanilleblüten erfolgt auf Madagaskar übrigens von Hand – eine mühsame Arbeit, die das hohe Preisniveau erklärt.


Weiter werden in dieser Gegend die Cashewnüsse geerntet. Cashewnüsse sind botanisch gesehen keine Nüsse, sondern Kerne der Cashewfrucht des Acajoubaums. Sie werden nach der Ernte in der Regel geröstet, um eine giftige Flüssigkeit in der Schale zu neutralisieren, bevor sie als Snack, in Gerichten oder zur Herstellung von Cashewbutter verwendet werden. Sie sind nahrhaft, da sie reich an ungesättigten Fettsäuren, Mineralstoffen wie Magnesium und Eisen sowie Proteinen sind.  

Zwischen den Kakaobäumen und Pfeffersträuchern steht ein unscheinbarer Baum, dessen wahre Kostbarkeit sich erst auf den zweiten Blick offenbart: der Zimtbaum (Cinnamomum).
Was sofort ins Auge fällt, ist die abblätternde, orangebraune Rinde. In dünnen Schichten löst sie sich vom Stamm, darunter kommt eine glattere, hellere Schicht zum Vorschein. Diese charakteristische Rinde ist nicht nur schön anzusehen – sie ist das Herzstück des Gewürzes, das weltweit in Küchen und Konditoreien verwendet wird.


Nach diesem botanischen Ausflug in die Welt der tropischen Gewürze erreichen wir die Khair Lodge. Unser Häuschen ist gemütlich, sauber und einladend. Wir beziehen unser Zimmer und gehen anschliessend ins Dorf, um etwas zu essen.


Den Rest des Tages verbringen wir entspannt in der Lodge. Nach den intensiven Tierbeobachtungen, den langen Wanderungen und den kurzen Nächten tut es gut, einfach mal nichts zu tun.

Zum Abendessen bleiben wir in der Lodge. Das Essen ist köstlich und nach ein paar Runden Kartenspielen war «Schlafen» angesagt.

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